„Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Impf-Empfehlung aktualisiert, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI). Es wird nun doch die Impfung aller über 12-Jährigen, nach ärztlicher Aufklärung über Nutzen und Risiko, empfohlen. Zuvor galt die Empfehlung nur in speziellen Fällen wie beispielsweise bei Vorerkrankungen. Der Verein „Eltern stehen auf e.V.“ teilt sein Entsetzen über die Entscheidung über eine Presseaussendung mit und wirft die Frage auf: Fiel diese Entscheidung aufgrund politischen Drucks?

  • STIKO empfiehlt nun Impfung für alle Kinder ab 12
  • Herzmuskelentzündungen kein Grund mehr für Nicht-Empfehlung
  • Argumentation ohne Daten und Modellrechnung als Begründung
  • „Eltern stehen auf e.V.“ entsetzt über STIKO-Entscheidung

Am 10. Juni hatte die STIKO eine Impfempfehlung für Kinder ab 12 bei bestimmten Indikationen wie „Vorerkrankungen mit erhöhtem Risiko für schweren COVID-19-Verlauf“ ausgesprochen (Wochenblick berichtete). Man habe die Empfehlung „auf der Grundlage neuer Überwachungsdaten, insbesondere aus dem amerikanischen Impfprogramm mit nahezu 10 Millionen geimpften Kindern und Jugendlichen“ aktualisiert. „Mögliche Risiken der Impfung für diese Altersgruppe“ könnten „jetzt zuverlässiger quantifiziert und beurteilt werden.“

Herzmuskelentzündungen für STIKO kein Grund für Nicht-Empfehlung

Die „bevorzugt bei jungen männlichen Geimpften im Zusammenhang mit der Impfung beobachteten Herzmuskelentzündungen“ müssten als „Impfnebenwirkungen gewertet werden“, seien in der Mehrzahl im Krankenhaus behandelt worden und hätten „entsprechend der medizinischen Versorgung einen unkomplizierten Verlauf“ gehabt, schreibt das RKI. Eine Herzmuskelentzündung bei einem Kind wird also offenbar nicht als schwerwiegend genug angesehen, um die Impfung nicht zu empfehlen. Dann wird die Argumentation ein wenig schwammig: Daten aus dem Ausland würden darauf hindeuten, „dass Herzbeteiligungen durchaus auch bei COVID-19-Erkrankungen auftreten.“ Das RKI nennt jedoch weder das Alter oder die Zahl der Betroffenen noch wird die Art der „Herzbeteiligung“ näher erläutert.

Modellrechnung als Begründung

„Mathematische Modellierungen“, welche die Delta-Variante berücksichtigen, hätten ergeben, „dass für Kinder und Jugendliche ein deutlich höheres Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion in einer möglichen 4. Infektionswelle besteht“, versucht sich das RKI als Orakel. Dass diese „Modelle“ in ihrer Vorhersagekraft allerdings äußerst schwach und fehlerhaft sind, hat schon die extreme Überschätzung der Corona-Toten zu Anfang der „Pandemie“ bewiesen. Das Risiko für Kinder schwer an COVID-19 zu erkranken ist bekanntlich äußerst gering. Hätte die vorherrschende Delta-Variante daran etwas verändert, hätte man das nicht bemerken müssen? Irritierend mutet auch die Begründung an, die Empfehlung ziele auf den „direkten Schutz der geimpften Kinder und Jugendlichen vor COVID-19 und den damit assoziierten psychosozialen Folgeerscheinungen ab.“ Welche „psychosozialen Folgeerscheinungen“ sind hier gemeint? Zumindest betont die STIKO, dass die Impfung von Kindern keine Voraussetzung für soziale Teilhabe sein dürfe.

Chef der Hausärzte kritisiert politische Einmischung

Man muss sich über diesen Gesinnungswechsel der STIKO, vor allem auch so, wie er argumentiert wird, zumindest wundern. So mancher Beobachter vermutet hier, dass politischer Druck ausgeübt wurde. So kommentierte der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, dass die Politik bei der Impfung ab 12 „vorgeprescht“ sei und damit eine Diskussion um die Impfung Jüngerer losgetreten habe. Es hätte „keines Drängens von Politikseite bedurft“, so Weigeldt laut einem Medienbericht. Und tatsächlich werden die Schreie nach einer Impfung der unter 12-Jährigen lauter. So meinte Alexander Dobrindt (CSU): „Wichtig ist jetzt die schnelle Zulassung eines Impfstoffes für Kinder unter zwölf Jahren, damit auch für diese Kinder ein wirksamer Schutz vor Infektion angeboten werden kann“.

Eltern entsetzt über STIKO-Entscheidung – politischer Druck?

Der Verein „Eltern stehen auf“ hat sein Entsetzen über das „Einknicken“ der STIKO in einer Presseaussendung (nachstehend ein Auszug daraus) folgendermaßen formuliert:

„Knickte die STIKO wegen des politischen Drucks ein? Das lässt eine Stellungnahme von Gremium-Mitglied Dr. Martin Terhardt bereits vergangene Woche gegenüber dem RBB vermuten. Darin sagt er: ‚Wir werden versuchen, der Politik ein bisschen entgegenzukommen.‘

‚Uns entsetzt diese neue Haltung der STIKO, auch wenn wir damit gerechnet haben, dass die Ablehnung dieser Impfempfehlung nicht lange Bestand haben wird‘, sagt Christiane Panno, Pressesprecherin des Vereins ‚Eltern stehen auf‘. Das mögliche Auftreten von Herzmuskelentzündungen ist für die STIKO kein Grund mehr, die Impfung nicht zu empfehlen, denn die meisten dieser Entzündungen würden mild verlaufen und es hätte auch keine Todesfälle in dieser Altersgruppe gegeben.

Vor dem Hintergrund, dass Kinder- und Jugendliche für das Infektionsgeschehen bei Covid 19 keine relevante Rolle spielen, ist diese Entscheidung der STIKO umso tragischer. Jetzt sei es für sie und ihre Vereinskollegen noch wichtiger, Eltern zu informieren und darin zu bestärken, ihre Kinder nicht gegen Corona impfen zu lassen. Die Langzeitfolgen sind gegenwärtig nicht absehbar. ‚Es wäre eine Katastrophe, wenn wir die Gesundheit unserer Kinder ohne Not auf’s Spiel setzen, weil das die Machtpolitik und Panikmache der Regierung fordern‘, sagt Panno.“

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