Wohl auch wegen der hastigen Entwicklung der Corona-Impfstoffe vor ihrer bedingten Notfallzulassung fallen immer mehr Impfreaktionen und Nebenwirkungen erst im „offiziellen Betrieb“ auf. Nach einigen Fällen temporärer Gesichtslähmungen, lebensgefährlicher Impf-Thrombosen und Embolien werden nun erste Gürtelrose-Fälle bekannt. 

Eine Leserin schrieb uns vor Kurzem, dass ihr Vater (81) kurz nach seiner Impfung mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech an Gürtelrose erkrankte. Bei der in der Fachsprache als „Herpes Zoster“ bekannten Krankheit handelt es sich um eine Viruserkrankung mit einem Erreger, mit dem die meisten Menschen in ihrer Kindheit in Form der Windpocken Erfahrung machen. Bei einer Sekundärerkrankung im Erwachsenenalter können schwere Verläufe und Komplikationen auftreten, insbesondere bei älteren Patienten, die den Löwenanteil der Gürtelrose-Fälle ausmachen. Sie erwähnte gegenüber dem Wochenblick auch, dass sie von zumindest einer weiteren Familie in Oberösterreich glaubwürdige Kenntnis habe, welche dieselbe Erfahrung machen mussten.

Studie bestätigt: Gürtelrose als mögliche Nebenwirkung

Nun stellt sich die Frage: Handelt es sich um einen zufälligen zeitlichen Zusammenfall – oder gibt es einen Zusammenhang. Zumindest gibt es für letzteren Fall einige belastbare Indizien. Denn schon vor zwei Wochen schrieb die englische „Daily Mail“ über zumindest sechs Fälle in Israel, in denen Patienten ebenfalls kurz nach ihrer Impfung eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus durchmachten. Und der westasiatische Staat schwört bei seiner Impf-Kampagne fast ausschließlich auf das Vakzin von Pfizer/Biontech.

Infolgedessen wurde sogar eine Studie durchgeführt, die zu dem Schluss kam, dass eine Gürtelrose tatsächlich eine Nebenwirkung der Pfizer-Impfung sein kann. Denn israelische Forscher ermittelten, dass bestimmte Autoimmun-Erkrankungen das Risiko, nach der Impfgabe den schmerzhaften Ausschlag zu entwickeln, erhöhen. Insgesamt, so zitiert die Daily Mail die Studie, sei es fünf Mal wahrscheinlicher, nach der ersten Teilimpfung die Hautkrankheit zu bekommen als nach der zweiten Dosis. Ärzte, so die Wissenschaftler, sollten rund um den Impftermin auf seltene Symptome bei Autoimmun-Patienten achten.

Unklar ist dabei allerdings, wie hoch die Dunkelziffer der Fälle außerhalb der Bedingungen der Studie ist. In der Schweiz stehen nämlich sogar 44 Gürtelrose-Fälle im Verdacht einer zeitlichen Verbindung zur Impfung. Unsere Leserin schrieb uns zudem, dass die Ärzte bei ihrem Vater aufgrund einer direkt nach der Impfung auftretenden Gastritis zuerst eine erschütternde Fehldiagnose stellten – nämlich eine vermeintliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Tatsächlich waren die Bauchschmerzen aber bereits die Vorboten der Gürtelrose. Gut möglich also, dass auch andernorts weitere Gürtelrose-Verdachtsfälle fälschlicherweise einem anderen Krankheitsbild zugeschrieben werden…

Hersteller empfahl im Jänner Gürtelrose-Impfung

Angesichts der Berichte über das Auftreten von Gürtelrose als mögliche Nebenwirkungen, erscheint auch eine andere Information aus dem Jänner in einem anderen Licht. Damals begannen die Impfung in Deutschland, Personen über 80 Jahren hatten Vorrang. Den Personen in der Altersgruppe zwischen 60 und 80 Jahren empfahl der Hersteller der Gürtelrose-Impfung „Shingrix“, in der Zwischenzeit ihr Produkt in Anspruch zu nehmen

Als Begründung nannte die Firma GlaxoSmithKline, dass diese „Standardimpfungen“ die „Gefahr von Doppelinfektionen mit SARS-CoV-2“ verringern könnten. Zuvor war der Impfstoff seit seiner Zulassung vor knapp drei Jahren die meiste Zeit auf der Liste jener Vakzine, bei denen ein Lieferengpass bestand. Hatte man also womöglich bereits eine Vorahnung und produzierte daher stärker – oder nehmen Bürger angesichts der Dauerpräsenz des Corona-Themas andere Impftermine nicht mehr wahr?

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