Seit Monaten ist bereits bekannt, dass harte Lockdowns kaum Einfluss auf die Corona-Lage in einem Land haben. Als schillerndes Beispiel, wie man ohne diesen Zwang doch einigermaßen gut durchkommt, zeigten sich etwa Schweden oder Weißrussland. In Deutschland und Österreich sind Totalsperren des öffentlichen Lebens aber ein Mittel der Wahl der regierenden Politiker. Und das könnte noch einige Zeit so bleiben.

Zu dieser Ansicht kann man jedenfalls kommen, wenn man den Umkehrschluss der Ansage von BioNTech-Gründer Ugur Sahin nimmt. Der Gründer der Firma, die mit ihrem gemeinsam mit dem Pharma-Riesen entwickelten, umstrittenen mRNA-Impfstoff zuerst auf den Markt drängte, ist – no, na – von der Wirksamkeit der Impf-Kampagne überzeugt und glaubt daher, dass nach dem Sommer die Lockdown-Politik allmähnlich aufhört. Das heißt: Noch einige Monate wird es immer wieder zu Öffnungen und Schließungen des öffentlichen Lebens kommen – im besten Fall, versteht sich.

Kühne Prophezeiung – oder Unternehmer-Hoffnung?

Denn diese Prognose basiert auf der Annahme Sahins, dass neu auftretende Corona-Mutation keinerlei Schrecken verbreiten. Der in Deutschland wirkende Mann mit den türkischen Wurzeln ist sich nämlich sicher, dass man den Impfstoff einfach anpassen müssen. Aber ist das wirklich eine Wahrscheinlichkeit – oder doch nur der Optimismus eines Unternehmers, der natürlich davon ausgehen muss, dass sein Fabrikat alle Stücke spielt?

Forscher warnen vor impfresistenten Mutationen

Denn längst geht die Sorge um, dass immer neue Mutationen entstehen – und wenn der belgische Virologe Geert Vanden Bossche, immerhin ehemaliger Gates-Insider – Recht behält, ist die Impf-Kampagne westlicher Länder nämlich womöglich überhaupt Schuld an möglicherweise immer aggressiveren MutationenWochenblick berichtete. Die Ansicht, dass sich durch Immunflucht immer neue Mutationen bilden, die dann gegen die Impfung resistent sind, äußerte vor wenigen Tagen auch eine deutsche Physikerin.

Und immer mehr Indizien lassen anklingen, dass die Impfung wohl nicht dazu führt, dass Corona von einem Tag auf den Nächsten kein Thema mehr ist. So häufen sich in Tirol die Verdachtsfälle auf die Variante B.1.1.7-E484K. Bei dieser Abwandlung der Briten-Mutation könnte es sich um einen Virenstrang handeln, auf den die Impfung nicht gut anspricht. Diese gilt tatsächlich als mutmaßliche „Fluchtmutante“. Im Bezirk Schwaz fand zuletzt die größte Massen-Impf-Aktion Europas statt.

Fluchtmutante könnte scharfe Welle im Herbst bringen

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund rufen in diesem Bundesland erste Mediziner wie der Intensivmediziner Walter Hasibeder vom St. Vinzenz-Krankenhaus in Zams bei Landeck. schon nach einem zweiwöchigen, bundesweiten Lockdown – es wäre der vierte. Ab sofort gelten bekanntlich in Wien, Niederösterreich und im Burgenland bereits deutlich verschärfte Regeln. Und es ist nicht der einzige Unkenruf aus Tirol. Denn auch die in Innsbruck tätige Virologin Dorothee Von Laer warnt bereits vor einem Horrorszenario.

Denn die Medizinerin, auf deren Fachmeinung die erste Ausreise-Testpflicht für Tirol folgte, geht davon aus, dass es im Herbst eine weitere Corona-Welle geben könne. Dies passiere genau dann, wenn sich nach der vermutlich ruhigen Sommerzeit Varianten durchsetzen, bei der manche Impfstoffe nicht wirken. Also auch bei Fluchtmutanten. Dann brauche es wirksamere Vakzine. Falls die Regierung bis dahin nicht von ihrem Kurs abkommt: Gut möglich, dass es noch recht lange immer wieder  Lockdown-Situationen gibt…