Sperrfrist 04.09. | Schreckgespenst aus Japan im Anflug auf Europa
Bild: Pixabay

Eine lange Phase niedriger Zinsen in einem hochentwickelten Land – gibt es da Erfahrungswerte? Ja, die gibt es! In der Vergangenheit diente das Land der aufgehenden Sonne nicht nur als wirtschaftliches Paradebeispiel.

Ein Beitrag von Dr. Herbert Samhaber

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Heute zeigt Japan als abschreckendes Beispiel, wie sich eine lang­anhaltende Niedrigzinsphase auswirken kann. Japan ist zwar regional auf einer Weltkarte im Osten angesiedelt, kann aber auf Grund seiner Entwicklung durchaus mit den europäischen Ländern verglichen werden: hoher Lebensstandard, hohes Bildungsniveau, technisch weit entwickelt.

Japanische Staatsverschuldung liegt bei 250%

Nach dem 2. Weltkrieg erlebte das Land einen großen Aufschwug und entwickelte sich zumindest wirtschaftlich zur Weltmacht. Ende der 1980er-Jahre des letzten Jahrtausends endete die Erfolgsstory mit dem Platzen von Kredit-, Aktien- und Immobilienblasen. Seitdem hängt Japan am Tropf des billigen Geldes der Zentralbank.

Diese Epoche steht kurz vor Ihrem 30-jährigen Jubiläum. Die japanische Staatsverschuldung liegt bei sagenhaften 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und es ist kein Ende in Sicht. Der EZB sollte Japan als warnendes Beispiel dienen, die Zinsschraube nun endlich nach und nach in die andere Richtung zu drehen. Natürlich ist es für die politischen Entscheidungsträger von heute bequemer mit niedrigsten Zinsen, doch in der Zukunft müssen wir die vermeintliche Bequemlichkeit von heute ausbaden.

Für viele ist die Ehe nicht „leistbar“

Ein hohes Zinsniveau hat auch den Nebeneffekt, dass Innovationen und Effizienzsteigerung nötig werden. Ein unterschätztes Problem einer langanhaltenden Niedrigzinspolitik ist auch die Erosion der Mittelschicht. In Japan wohnen Singles lange zuhause bei den Eltern. Für viele ist die Ehe schlicht nicht „leistbar“ in dem Rahmen, der gesellschaftlich erwartet würde.

Verheiratete Paare leisten sich immer seltener ein 2. Kind, weil sie nicht im Stande sind die gesellschaftlich erwarteten Bildungsmöglichkeiten zu finanzieren. Immobilien sind für junge Japaner kaum leistbar. Ein Vollzeitangestellter verdient im Durchschnitt rund 2.400,- Euro, wobei es hier starke Unterschiede zwischen Männern und Frauen und regulären und befristeten Angestelltenverhältnisse gibt.

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Immer weniger reguläre Jobs

Die niedrige Geburtenrate führt zu immer größeren Problemen im Pensions- und Gesundheitssystem. Sogenannte „Zombieunternehmen“ und „Zombiebanken“ werden durch die Zentralbank am Leben gehalten, um die wirtschaftliche Lage des Landes zu stabilisieren. Es gibt immer mehr „prekäre Beschäftigungsverhältnisse“ und weniger reguläre Jobs. Die Zentralbank druckt immer mehr Geld, die Zinsen bleiben niedrig und eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die genannten Probleme sind bereits in Europa vorhanden. Noch sind sie zum Glück teilweise nicht so eklatant wie in Japan, doch das Risiko für japanische Verhältnisse steigt. Gerade in Südeuropa leben viele junge Menschen auch mangels Alternativen lange bei den Eltern.

Auch bei uns wird die Familienplanung zunehmend zurückgeschoben. Unter einer zu langen Niedrigzinspolitik könnte die Zukunft von uns allen leiden. Schon langsam sollte man Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren um nicht Europa zu Japan 2.0 zu machen. Höhere Zinsen würden auch den Druck zu Effizienz und Schuldenabbau für unsere Politiker erhöhen.

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