Nur knapp dem Tod entronnen sind 51 Kinder und zwei Erwachsene am Mittwoch in Mailand, nachdem der Busfahrer, ein Italiener mit senegalesischen Wurzeln, einen Schulbus aus Protest gegen die italienische Einwanderungspolitik entführte und in Brand steckte. Während ganz Italien langsam aufatmet, sorgte eine linke Ex-Politikerin für einen Eklat im italienischen Fernsehen „Rai1“: der Anschlag sei zu verurteilen aber man müsse die Gründe für die Tat des Mannes verstehen, sagte sie.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

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Turco Livio, frühere Sozialministerin der linken Partito Democratico (PD), spielte offenbar auf die Aussage des mutmaßlichen Täters an. Er sagte ja, der geplante Anschlag sei ein Protest gegen die italienische Einwanderungspolitik – es habe zu viele Tote im Mittelmeer gegeben. Die Politikerin dürfte sich darauf bezogen haben und sprach deshalb auch von „Rassismus gegen die Italiener“ und dass „solche Leute Italien regieren“.

Junger Held wird gefeiert

Weil der 13-jährige Schüler Ramy, aus Ägypten, sein Handy vor dem Täter verstecken, die Polizei alarmieren und so verhindern konnte, dass die Kinder im Bus bei lebendigem Leib verbrannten, ist er jetzt der Held der Italiener. Die Regierung will Ramy nun rasch „wegen besonderer Verdienste“ die italienische Staatsbürgerschaft verleihen, auf die er schon seit Jahren wartet. Das Innenministerium unter Matteo Salvini wird die Kosten dafür übernehmen und den Prozess zur Gewährung der Staatsbürgerschaft für den kleinen Helden beschleunigen.

Immer mehr Details über mutmaßlichen Täter

Der 47-jährige Täter wurde als Kind senegalesischer Eltern in Frankreich geboren. 2004 heiratete er eine Italienerin, wurde Staatsbürger und bekam zwei Söhne. Es folgte eine „schwierige Scheidung“ und er hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zur Familie. 2007 verlor er den Führerschein wegen Alkoholisierung am Steuer. Seine Firma, für die er 15 Jahre lang arbeitete, wusste das nicht, er meldete sich lediglich krank. Er arbeitete dort zuerst als Reinigungskraft und wurde dann Fahrer. 2018 wurde er zu 1,5 Jahren Gefängnis wegen Vergewaltigung einer 17jährigen (im Jahr 2010) verurteilt – das Urteil wurde später aufgehoben.

Tat per Video bei Freunden angekündigt

Mittlerweile wurde auch bekannt, dass er seine Tat in einer Videobotschaft an Freunde in Italien und im Senegal ankündigte – mit der Botschaft: „Afrika erhebe Dich“. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass die Tat penibel geplant war – er habe einen Tag davor einen Kanister mit Benzin und Fesseln für die Kinder besorgt. Gegen ihn laufen jetzt Untersuchungen wegen des Verdachtes auf Entführung, der Absicht, ein Massaker zu begehen, Brandstiftung und Widerstand gegen das Gesetz – mit Terrorismus als erschwerenden Umstand. Laut Staatsanwälten gebe es keinen Hinweis auf eine islamistische Radikalisierung oder Verbindungen zu Extremisten, der Busfahrer dürfte alleine gehandelt haben.

Hasstiraden im Bus: „Werde euch alle verbrennen!“

Freunde und Kollegen können nicht glauben, dass er diese Tat plante. Er sei wie jeden Tag zur Arbeit gegangen und habe gesagt „ich hole die Kinder vom Sport und komme dann wieder“. Im Bus änderte er dann seinen freundlichen Ton. Die Schüler erzählten den Carabineri später, er habe ihnen gesagt, er habe drei Mädchen im Meer verloren und deshalb werden auch sie (die Schüler) jetzt verbrannt und müssen auch sterben. Keiner komme davon.