Ganz ehrlich: Was ist angenehmer? Das ganze Land umbauen und hartnäckig reformieren oder in den bestehenden Strukturen weiterarbeiten? Ich sage: Sie werden weiterwurschteln wie bisher! Warum? Weil nichts großartig dagegen spricht!

Ein Kommentar von Philipp Fehrerberger

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Darf man das?

Aus vielen Ecken vernimmt man Stimmen wie „Das können die doch nicht machen, Schwarz-Rot wäre Wahnsinn“ oder „Die notwendigen Reformen kann Kurz nur mit der FPÖ umsetzen“.

Nun ja, was sind jetzt die realistischen Koalitionen? Zunächst mal das, von dem alle reden: Schwarz-Blau. Realistisch? Definitiv. Wahrscheinlich? Nun ja.

FPÖ: Koalition nicht um jeden Preis

Die FPÖ will sicher regieren, aber sicher nicht um jeden Preis. Was kann sie als Junior-Partner in einer Regierung mit der ÖVP Regierung gewinnen? Eher Wenig. Verlieren? Ganz schön viel.

Rot-Blau? Unrealistisch. Zwar gibt es eine heimliche Basis sowohl in der roten als auch in der blauen Arbeiterschaft, die sich diese Koalition sicher wünschen würde, doch die SPÖ würde an dieser Koalition intern zerbrechen. Christian Kern wird maximal ein Liebäugeln mimen um die Verhandlungsposition gegenüber der ÖVP zu verbessern.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen macht aus seiner deutlichen Abneigung gegenüber der FPÖ kein Geheimnis.

Bundespräsident mag FPÖ nicht

Außerdem darf man nicht vergessen, dass wir einen grünen Bundespräsidenten haben, dem beim Gedanken an blaue Minister vermutlich die Galle hochkommt („Wochenblick“ berichtete).

Womit wir zur einfachsten Variante kommen:

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Ich sage: Wenn es um die Gemütlichkeit geht, nicht viel verändern zu müssen, dann sind die „Unannehmlichkeiten“ rund um die Silberstein-Affäre zwischen SPÖ und ÖVP schneller vergessen, als Kurz „Parteibuch“ sagen kann.

Noch teurer: Jetzt sollen Poller den Kanzler schützen
Trotz Mauer ums Kanzleramt und Silberstein-Affäre: Noch-Kanzler Kern dürfte sich dank des Wählers auch weiterhin im Sattel halten.

Da war eine „antisemitische Schmutzkübelkampagne“ vielleicht ein böses Foul, aber dann rafft man sich halt wieder zusammen, irgendwie.

Warum sollte man etwas verändern, das funktioniert? Und das tut es:

GroKo wurde nicht abgewählt

Ob man das jetzt gut findet oder nicht: Objektiv wurde die Große Koalition nicht abgewählt, ganz im Gegenteil. Die ÖVP gewann einiges dazu, die SPÖ hielt nach derzeitigem Stand wacker ihren Stimmenanteil und ist sicherer Zweiter.

Gemeinsam kommen Schwarz und Rot auf weit über 50, fast sogar 60 Prozent der Stimmen.

Österreicher machen es mit

Und was wird passieren, nachdem die Regierung angelobt wurde? Kurzer Aufruhr, und dann ist man auch schon mitten in der neuen Legislaturperiode.

Und die Bevölkerung hat es schon wieder vergessen – schneller, als sie „GroKo“ sagen kann. Vielleicht, weil es angenehmer ist? Nun ja…