In immer mehr schwedischen Städten werden muslimische Gläubige von den Minaretten zum Gebet aufgerufen. Auch in Karlskrona wird das bald der Fall sein.

Von Kornelia Kirchweger

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Der Antrag des lokalen Islamischen Kulturverbandes dürfte durchgehen, schätzt die Polizei. Die Anrainer wurden nicht konsultiert, das wäre zu kompliziert.

Minarett ohne Genehmigung errichtet

Die muslimische Gemeinde im Karlskrona Brennpunkt-Viertel Kungsmarken errichtete vergangenen Oktober in Rekordzeit ein 17,5 m hohes Minarett und begann im November mir ihren Gebetsaufrufen.

Nach einer anonymen Anzeige, wegen fehlender Genehmigung musste das Ganze eingestellt werden. Laut Behörden habe die Moschee jetzt einen korrekten Antrag gestellt. Der schwedische Erzbischof in Karlskrona, Fredrik Modeus, ist jedenfalls begeistert, das sei eine „gut durchdachte Entscheidung“.

Die Anrainer wurden nicht befragt. Für Polizei-Gruppenleiter Magnus Rothoff gibt es dazu keine Veranlassung. Das Ganze wäre auch zu aufwändig und würde alles nur verzögern. Was in den anderen Städten durchging, werde auch hier gelten, meinte er. Die Gebetsaufrufe erfolgen mit 110 Decibel.

Gebetsaufruf ist wie Eiswagenverkäufer

Auch in Växjo, im vorwiegend von Migranten bewohnten Stadtteil Araby, darf seit kurzem der Gebetsaufruf vom Minarett kommen.  Der zuständige Imam: „Wir sind keine Besucher in Växjo, sondern wir leben hier“, das sei Religionsfreiheit. Auch die Behörde sah das Ganze gelassen. Bezüglich Lärmpegel meinte der zuständige Inspektor, Henrik Ohlin, nur: „Wir machen keinen Unterschied zwischen einem Gebetsaufruf oder einem Eiswagenverkäufer“.

Kirche darf keinen Glockenturm haben

In Växjo gibt es auch die katholische St. Michaels Kirche – sie hat nicht einmal einen Glockenturm. Als sie diesen in den 90er Jahren bei Umbauarbeiten einplanten, rieten die Stadtbehörden davon ab. Anrainer könnte das Glockengeläute stören.

Nach dem „Ja“ zum islamischen Gebetsaufruf in der Stadt, will die Kirche jetzt erneut einen Bauantrag stellen. Der zuständige Pfarrer Ingvar Fogelqvist ist voller Hoffnung: wenn die Moschee von einem Minarett zum Gebet aufrufen darf, sollte doch auch ein Glockenturm kein Problem sein.