Schwedens sozialistischer Premierminister Stefan Löfven kann sich vorstellen, in den von Migranten-Gangs beherrschten Vororten Soldaten einzusetzen. Das Militär könnte in diesen Brennpunktvierteln die Polizei unterstützen. Denn diese steht dort allein auf verlorenem Posten: sie wird verhöhnt, attackiert und verjagt.

Eine Reportage von Kornelia Kirchweger

Der Vorschlag kam eigentlich vom patriotischen Schwedendemokraten Jimmie Akesson. In einer Parlamentsdebatte verwies er auf das Beispiel Dänemark, wo es ähnliche Probleme gebe.

„Krieg gegen die Schweden“

Er sprach von einem Krieg – gegen die Schweden, gegen die Behörden des Landes. Diesen Krieg drohe man zu verlieren. Premier Löfven griff – zum Entsetzen seiner Parteigenossen – den Vorschlag auf. Das sei zwar nicht seine „erste Wahl“ sagte er, aber man müsse mit zusätzlichen Behörden zusammenarbeiten, um der Kriminalität beizukommen, sagte er im Interview mit dem „Aftonbladet“.

Die linken Medien tobten und schrieben den „Aufschrei der Schweden“ herbei. Löfven stellte dann auf Facebook klar, dass Soldaten nicht die Aufgabe der Polizei übernehmen sollten, sie aber unter bestimmten Umständen die Polizei und andere Behörden unterstützen könnten.

Heiße Luft vor Parlamentswahl im Herbst?

Der Premier gibt damit aber auch zu, dass das Multi-Kulti-Experiment Schweden gescheitert ist. Denn die Kriminalität der Vororte kommt zum Großteil von Migranten-Gangs. Neuestes Phänomen: die Sprengung von Polizeiposten mit Handgranaten.

Dass Löfven sich plötzlich der Themen seiner patriotischen Widersacher ist verständlich. Er hat im Herbst eine Parlamentswahl zu schlagen – dabei spielt das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle. Wie die schwedischen Sozialisten wirklich ticken, zeigt etwa die Aussage des. Justizministers: Es sei „nicht relevant“, zur Bekämpfung von Gangs das Militär einzubinden – die Polizei habe genug Kapazitäten.

Die sich häufenden Selbstmorde von Polizisten sind ihm sichtlich egal. Für die Stockholmer Finanzstadträtin, Karin Wanngard, ist die Bekämpfung von Gewalt mit Gewalt keine Lösung. Ebenso erwähnenswert ist die links-intellektuelle Einschätzung eines Kriminologie-Professors: der Einsatz des Militärs sei ein Bürgerkrieg, weil man gegen Bürger im eigenen Land vorgehe, sagte er.

Autorin fordert: #militarytoo

Die tschechisch-schwedische Autorin Katerina Janouch sieht das Ganze erfrischend anders: Sie fordert ein #militarytoo – für Frauen – „in der weltweit führenden Supermacht für Feminismus und Menschlichkeit“, die nicht davon träumen können, dass in den kriminellen Vororten ein Rambo rettend durch den aufsteigenden Rauch marschiert und mit seinen Automatikwaffen aufräumt.

Die Autorin geriet im Vorjahr in die Schlagzeilen, weil sie es wagte, im tschechischen Fernsehen über die irren Zustände in den Brennpunktzentren Schwedens zu berichten.