Die Chefin des Schwedischen Schwimmverbandes (SSF), Ulla Gustavsson, musste jetzt ihren Hut nehmen, weil sie in einem Interview den muslimischen Schleier als „Symbol der Unterdrückung“ bezeichnete und den schwedischen Sportverband (RF) beschuldigte, er befürworte und fördere das. Dieser hatte in einer Plakatkampagne mehrmals Mädchen im Hijab abgebildet. Gustavsson bezog sich in ihrer Kritik u.a. auf ein Werbeplakat, auf dem ein Junge – und ein Mädchen im Hijab – bei einem Schießwettbewerb abgebildet waren.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

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Schleier verstößt gegen „Geschlechtergleichheit

Auf die Frage des Interviewers, ob solche Kinder nicht gezeigt werden sollen, sagte sie: „Nein, eigentlich nicht, wenn sie Mädchen mit Migrationshintergrund zeigen wollen, kann das auch ohne Schleier sein. Kinder müssen Kinder bleiben. Der Schleier sei ein religiöses, politisches und sexistisches Kleidungsstück. Im schwedischen Nationalsportverband seien Werte wie die Geschlechtergleichheit wichtig, der Schleier stehe aber für etwas Anderes. Die Verbreitung solcher Bilder „normalisiere“ die Unterdrückung.

Der Schwimmverband distanzierte sich von Gustavsson’s Aussage und gab ihre Entlassung bekannt. Sie könne nicht länger erfolgreich den Verband führen. Ihre persönliche Einschätzung stehe nicht im Einklang mit der Grundhaltung des Schwimmverbandes, alle Kinder zu gleichen Bedingungen an den Verbands-Aktivitäten teilnehmen zu lassen. Später hieß es, sie sei auf eigenen Wunsch gegangen.

Hijab im Sport bereits salonfähig – kaum Widerstand

Der Sport-Hijab setzt sich aber international immer mehr durch. Künftig ist er auch beim Boxen erlaubt, entschied kürzlich der Internationale Boxverband. Beim Fechten, Volleyball, Basketball ist er schon üblich. 2016 ging in Rio die Fechterin Ibtihai Muhammad als erste muslimische Amerikanerin mit dem Hijab für die USA in den Wettbewerb. Nike erobert den neuen Markt schon einem kompletten Sport-Outfit für Muslimas. Es gibt aber auch Widerstand: In Frankreich hat die „Internationale Liga für Frauenrechte“ (ILWR) die Organisatoren der Olympischen und Paraolympischen Spiele 2024 in Paris aufgefordert, den Hijab und andere muslimische Kleidung während der Spiele zu verbieten. Das ermögliche es Frauen, ohne religiöse Einschränkung am Wettbewerb teilzunehmen.