Die schwedische Gesundheitsbehörde fährt jetzt eine neue Strategie in der Bewältigung der Corona-Krise: es werden keine Updates mehr bezüglich exakter Zahlen der mit Corona Infizierten veröffentlicht. Zudem werden künftig im ganzen Land nur mehr bei Risikogruppen oder Personen im Krankenhaus Corona-Tests durchgeführt.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Seit dem Ausbruch des Corona-Virus wurde in Schweden, wie auch in Österreich, täglich berichtet, wie viele bestätigte Fälle von Infektionen es gibt. Das wird es künftig nicht mehr geben, kündigte der für Schweden zuständige Epidemologe, Anders Tegnell, an. Der Fokus liege jetzt woanders. Man werde also nicht mehr diskutieren, ob man 458 oder 562 Fälle habe. Statt dessen, wie große Teile von Schweden betroffen seien – und wie schwer. Es gehe nämlich darum, welche Gruppen der Gesellschaft am meisten erkrankt seien. Zu wissen, wie viele Menschen in Schweden mit dem Virus infiziert sind, sei unwichtig.

WHO-Aufruf nicht erfüllbar

Damit widerspricht Tegnell dem Aufruf der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ihr Chef, Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte kürzlich, Europa sei das Zentrum der Pandemie. Alle Länder sollen eine umfassende Corona-Strategie verfolgen. „Machen Sie alles! Finden, isolieren, testen und behandeln sie jeden Fall, um die Infektionskette zu durchbrechen“. Das Feuer müsse gelöscht werden, sagte er gegenüber dem englischen Guardian.

Tegnell sieht das anders: Die Länder befinden sich in unterschiedlichen Stadien. Irgendwann werden sie nicht mehr alle Fälle finden können. 80-90 Prozent aller Fälle der Pandemie verlaufen sehr mild. Man könne nicht alle Ressourcen für deren Pflege aufwenden, sondern man müsse sich auf die 10 Prozent konzentrieren, die wirklich Betreuung brauchen. Die Botschaft des WHO-Chefs sei für die ganze Welt bestimmt. Es gebe ja auch Länder, die erst am Anfang stehen, da sei das noch möglich. Italien könne aber diese Forderung längst nicht mehr erfüllen.

Nur Spitze des Eisberges?

Es sei auch nicht sinnvoll, alle Menschen, die aus verschiedenen Ländern der Welt kommen und leichte Symptome haben, zu testen. Bezüglich der Schweden, die im Ausland waren und positiv getestet wurden, meinte Tegnell: man wisse nicht, ob diese nur die Spitze des Eisberges seien. Man teste daher jetzt mehr in anderen Gruppen, um zu sehen, was es wirklich ist. Man hoffe in den nächsten Tagen auf neue Erkenntnisse.

Bisher 924 Infizierte und zwei Tote

Stand 14. März Vormittag lag die Zahl der in Schweden mit Corona infizierten Personen bei 924 Personen, davon 341 Fälle in Stockholm. Die Mehrheit der Personen habe sich im Ausland oder über jemanden, der aus dem Ausland kam, angesteckt, hieß es. Bisher starben zwei Menschen an der Infektion. In beiden Fällen waren es ältere Menschen mit einer Vorerkrankung.

Die schwedischen Behörden haben dazu aufgerufen, Ansammlungen zu vermeiden, und Veranstaltungen unter 500 Teilnehmern zu halten, um eine Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Dazu gab es von mehreren Seiten Kritik. Die Gefahr liege generell in der Ansammlung von Menschen an einem Ort, hieß es.