Schwedens Gesundheitssystem steht vor dem Bankrott. Nach Ansicht der sozialistischen Sozialministerin, Annika Strandhäll, sind dafür die Alten verantwortlich.

Von Kornelia Kirchweger

Das Problem habe nichts mit den seit 2015 massenhaft ins Land geströmten Flüchtlingen und Migranten zu tun.

Die Debatte entbrannte, als die Zeitung Aftonbladet eine mehrteilige Serie zum „Pflegenotstand“ brachte. Es gab regen Zuspruch seitens der Bevölkerung. Viele Leser kritisierten, die Aufnahme der vielen Flüchtlinge und die Gesundheitspolitik der rot-grünen Regierung seien dafür verantwortlich.

200.000 Zuwanderer bedeutungslos

Dem widersprach die Sozialministerin vehement und rechnete vor: bis 2025 werde die Zahl der Generation 70+ auf über 300.000 Menschen ansteigen. „Wir haben eine schnell alternde Bevölkerung in Schweden. Die Lebenserwartung steigt um 3,5 Stunden pro Tag …“, erklärte sie. Die alternde Bevölkerung werde daher zum Pflegenotstand führen.

Offenbar ist sie der Meinung, dass die rund 200.000 Asylwerber und Migranten, die von 2015 bis 2017 ins Land kamen, Null Kosten verursachen.

Horrorerlebnisse

In der Aftonbladet-Serie wurden haarsträubende Schilderungen von Patienten vorgestellt, die aus Mangel an Ärzten, Krankenschwestern, Pflegern und wegen Qualifikationsmängeln Furchtbares durchmachten. Denn immer mehr Krankenschwestern gehen in private Einrichtungen, wo Bezahlung und Arbeitsbedingungen besser sind. Die Spitäler überbrücken den Engpass zunehmen mit Leihpersonal, oft fehlt die Qualifikation.

So etwa starb ein Kleinkind nach einer Odyssee durch verschiedene Kinderspitäler und Fehldiagnosen an Keuchhusten. Ein Mitte 50jähriger musste 16 Monate auf eine Hüftoperation warten, obwohl seine Hüfte schon zu „faulen“ begann. Einer anderen Frau wurden lebensrettende und regelmäßig benötigte Operationen eingeschränkt. Patienten müssen kurz nach der OP nach Hause, weil das Pflegepersonal fehlt.

Tod durch Personalmangel

„Heute sterben Patienten, weil es keine spezialisierten Krankenschwestern gibt“, sagte Sineva Ribeiro, Vorsitzende der Gesundheitsgewerkschaft. Man müsse dem Krankenpersonal doppelte Gehälter zahlen, um den Engpass auszugleichen, forderte sie. Die schwedischen Kommunen und Provinziallandtage schätzen die Zahl der Todesfälle in Spitälern auf jährlich 1500 Menschen.