Das Missgeschick des Frachtschiffes „Ever Given“ im Suezkanal führte international nicht nur zu viel Spott, sondern auch zu enormen Kosten und Verzögerungen im Welthandel. Gerade der Verkehr aus Fernost unterliegt somit teuren Verspätungen, was nicht nur die Chinesen ärgert. Doch wie kam es zum Zwischenfall im Suezkanal und was hat US-Präsident Biden damit zu tun?

Von Franziska Bernhard

Als sich das über 400 Meter lange Containerschiff „Ever Given“ mitten im Suezkanal querstellte und erst nach Tagen freigeschleppt werden konnte, lagen hunderte voll beladene Schiffe hinter dem Giganten – der Welthandel zwischen Asien und Europa stand für mehrere Tage fast still. Dass der Kapitän des Frachters zuvor im Roten Meer mit seinem 220.000 Tonnen schweren Monstrum eine Penisfigur ins Meer zeichnete könnte von den ägyptischen Behörden gegen ihn verwendet werden.

Übliche Praxis

Da das Schiff aber mit fast 13 Knoten etwa doppelt so schnell unterwegs war, wie es im Suezkanal erlaubt ist, spricht dafür, dass der Lotse bewusst eine höhere Geschwindigkeit befohlen hat, um den Kapitän wiederum zu erpressen, möglichst viel „Bakschisch“ zu entrichten – eine im Suezkanal übliche Praxis, die Kapitäne dazu bringt, kistenweise Zigaretten und mehrere Bündel Dollarscheine an die obligatorischen Lotsen unter der Hand abdrücken zu müssen. Dabei setzen die Lotsen die Kapitäne oft unter Druck, indem sie hohe Geschwindigkeiten und Motordrehzahlen befehlen oder falsche Kommandos im letzten Moment widerrufen. Im Falle der „Ever Given“ ist die offizielle Geschichte, ein Windstoß hätte das mit 20.000 Containern beladene Schiff zur Seite gedrückt daher mehr als unglaubwürdig.

Monsterprojekt Neue Seidenstraße

Besonders ärgert sich natürlich China über die tagelange Blockade der ägyptischen Handelsstraße, die immerhin 12% des weltweiten Warenumschlags passiert. Das chinesische Monsterprojekt der Neuen Seidenstraße will nicht nur auf dem Seeweg, sondern auch über Land das Reich der Mitte mit Europa verbinden und schafft sich dazu Vasallenstaaten und einzelne regelrechte Handelsstützpunkte von der Mongolei über Tibet bis zu den Stan-Staaten und Zentraleuropa. China will dabei etwa 40 Prozent des Welthandels unter seine Kontrolle bringen und 139 Länder einbinden – freilich unter chinesischer Führung.

Mit 5G geködert

Die mehrheitlich unterentwickelten Länder werden dabei mit chinesischen Investments wie Straßenbau, 5G oder Finanzierung der Infrastruktur geködert; alles natürlich zum Nutzen Chinas. Dass ausgerechnet der senile linke US-Präsident Joe Biden dem chinesischen Giga-Projekt Konkurrenz machen will, stößt jedoch nicht nur bei Chinas kommunistischer Führung auf taube Ohren. Biden mag freilich erkannt haben, dass China seinen Einfluss auch durch angebliche Entwicklungshilfe geltend macht, genauso aber durch internationale Infrastrukturprojekte wie den Kauf europäischer Seehäfen und ihren logistischen Anschluss nach China. Aufgrund des robusten Vorgehens gegen die muslimischen Minderheit der Uiguren in der nordwestlichen Provinz Xinjiang hatten Großbritannien, die EU, Kanada und die USA Anfang der letzten Woche Sanktionen gegen China verhängt, der Vorschlag einer „demokratischen Seidenstraße“ kam beim britischen Premier Johnson aber so wenig an, dass er ihn nicht mal erwähnte. Allerdings hat England auch deutlich größere Probleme mit seiner muslimischen Minderheit als es etwa die USA haben.

China-Initiativen kritisch betrachten

Die Abhängigkeit des Welthandels vom Suezkanal mag zweifelsohne groß sein, erspart er doch den langen Weg rund um Afrika. Eine weitere Verkürzung der Handelswege auf chinesische Initiative hin ist allerdings äußerst kritisch zu betrachten, denn damit geht nicht nur die Gefahr einher, dass China auch den europäischen Markt versuchen wird, mit eigenen Produkten zu überfluten, sondern auch Europa in wachsende Abhängigkeit von China getrieben werden wird – was durch den Aufkauf unserer Seehäfen schon gefährlich weit fortgeschritten ist.