Seit mehreren Wochen befindet sich Tschechien im härtesten Corona-Knast Europas. Die Bürger unseres Nachbarlandes dürfen nicht einmal mehr ohne Passierschein zur Arbeit, das Spaziergehen ist nur im eigenen Ort erlaubt, Verwandte dürfen nicht besucht werden. Mit welcher Brutalität die Ordnungshüter die totalitären Regeln durchdrücken, belegt ein virales Video.

Ein erschütterndes Bilddokument macht seit einigen Tagen die Runde. Es zeigt einen Mann, der keine Maske trägt und in weiterer Folge von Polizeibeamten mit voller Härte auf dem Boden fixiert wird. Dass sein kleiner, dreijähriger Sohn weinend daneben steht und seinen Papa vor der unverhältnismäßigen Aktion beschützen will, ist der Exekutive scheinbar völlig egal. Sie fährt mit der Amtshandlung einfach fort. Der Vorfall trug sich am Mittwoch der Vorwoche in Uherské Hradiště in Südostmähren zu.

Maske offenbar nur für wenige Meter abgenommen

„Lass mich gehen, lass mich gehen, Jesus Christus, lass mich gehen,“ ruft der Mann, während zwei Polizisten auf ihm knien. Aber sie lassen ihn nicht gehen. Einer der Beamten schubst sogar noch seinen kleinen Sohn weg, als dieser die Polizisten anfleht, seinen Papa in Ruhe zu lassen. Das völlig aufgelöste Kind läuft verzweifelt einer Mitarbeiterin der nahegelegenen Bäckerei entgegen. Diese hat den Vorfall beobachtet. Sie nimmt den Buben auf und tröstet ihn. Aber die Beamten lassen den Vater auch dann noch nicht los…

Wie unverhältnismäßig der Zugriff war, zeigt die Berichterstattung der Zeitung „Lidovky“. Denn der Mann zog die Maske offenbar nur für jene 30 Meter aus, die zwischen der Bäckerei und seinem Auto lagen. Als ihn die Polizei auf die Maskenpflicht hinwies, die in Tschechien auch im Freien gilt, bekräftigte er seinen Wunsch, zuerst seinen Sohn ins Auto zu setzen. Daraufhin fixierten die Beamten den Mann vor den Augen des Kleinkindes kurzerhand rabiat am Boden.

 

Bürgermeister und Polizeichef distanzieren sich

Das Video schlug hohe Wellen, verteilte sich wie ein Lauffeuer in sozialen Medien. Auch örtliche Medien beschäftigten sich mit dem Fall. Der Bürgermeister der Stadt, Stanislav Blaha, versuchte sich diplomatisch. Einerseits zeigte er Verständnis für die Durchsetzung der Maßnahmen. Andererseits wäre der Einsatz deutlich überzogen gewesen, die Polizei hätte jedes menschliche Feingefühl vermissen lassen. Dies gelte gerade, weil ein kleines Kind anwesend war.

Polizeichef Vlastimil Pauřík entschuldigte sich ebenfalls für das Vorgehen. Bis zur Klärung sind die beiden Beamten vorerst von Dienst freigestellt. Darstellungen des Anwalts des Geschädigten, wonach die Polizei den Mann und seinen Sohn sogar gemeinsam in einer Polizeizelle untergebracht worden waren, dementierte er hingegen. Man habe die beiden nur im Zuge der Identitätsfeststellung in einen separaten Raum gebracht. Eine Zelle gebe es auf dem Posten in Uherské Hradiště gar nicht.

„War nicht aggressiv, wollte nur keine Maske tragen“

Besonders grotesk wird der Vorfall, wenn man die Familiensituation besieht. Denn die Mutter des kleinen Buben ist Intensivkrankenschwester. Sie kümmerte sich, als ihr Mann auf dem Boden fixiert wurde, gerade um Patienten auf der Beatmungsstation des örtlichen Krankenhauses. Sie stellte sich hinter ihren Mann: „Er war nicht aggressiv, er wollte nur keine Maske tragen.“

Sie erhebt den Vorwurf, dass die Polizei ihren Ehemann nach der Fixierung verbrachte und ihren Sohn ohne den Vater auf der Straße zurücklassen wollte. Es sei nur der Zivilcourage der beherzten Bäckerin zu verdanken, dass die beiden an der Polizeistation überhaupt wieder vereint wurden, berichtet „Novinky.cz“.