Das serbische Verteidigungsministerium hat in einer öffentlichen Ausschreibung knapp 2,5 Tonnen NATO-Draht – offenbar für den Bau von Zäunen um Empfangszentren für Migranten und Unterkünfte für Asylwerber – bestellt. Die Ausschreibung wurde auf die Webseite des Ministeriums gestellt.

Außergewöhnliche Dringlichkeit

Laut Ausschreibungsunterlagen, die das Ministerium am 15. Mai veröffentlicht hat, werden auch Eisenpfosten und verzinkter Bindedraht benötigt. In dem Dokument wird eine außergewöhnliche Dringlichkeit erwähnt, die durch außergewöhnliche Umstände bzw. unvorhergesehene Ereignisse verursacht wurde. Die serbischen Streitkräfte seien mit einer Aufgabe betraut worden, die es in Friedenszeiten normalerweise nicht gibt, nämlich der Sicherung von Migrationszentren. Die Beschaffung sei daher nicht vorhersehbar gewesen und deshalb nicht im jährlichen Beschaffungsplan 2020 enthalten. 

Militär bewacht Migranten-Zentren in Sid

Eine Erklärung dafür könnte die sich zuspitzende Situation in der nordwestlichen Stadt Sid sein. Dort beklagte sich die Bevölkerung massiv wegen herumstreunender, nicht registrierter Migranten und forderte mehr Sicherheit. Der serbische Präsident, Alexander Vučić, veranlasste deshalb die Bewachung von drei Migrantenzentren durch das Militär. 70 Soldaten kontrollieren seit 16. Mai die Zentren in Adasevci, Principovac und Sid-Stanica. Dort leben knapp 2.000 Migranten aus 18 Ländern. Sie verlassen immer wieder die Zentren, um nach Kroatien zu gelangen. Die Bevölkerung trifft sie in aufgelassenen Häusern, in Obstgärten, auf Feldern und im Wald. Vor einer Woche brachten Soldaten 18 Migranten zurück in die Zentren.