An einer dänischen Volksschule lernten Schüler, im Rahmen einer Themenwoche, wie man zu Allah betet. Dies unter Anleitung eines Mitschülers aus dem Süd Sudan im Beisein der Lehrer. Die Mutter des Muslim-Schülers filmte trotz Verbot mit, die Aufnahme landete auf arabischen YouTube-Kanälen, begeisterte dort die User und gelangte erst Monate später auf dänische YouTube-Seiten. Es folgte ein Shitstorm.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

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Ganze Klasse kniet und betet Allahu Akbar

„Furchterregend“, „Koran-Indoktrinierung, „Lehrer und Schulleitung müssen gehen“, waren noch die harmloseren Postings, als das Video auch auf Facebook geteilt wurde. Gert Hougaard, Direktor der Thyregod-Schule im dänischen Jütland, beschwichtigte: Das Ganze werde dramatischer dargestellt. Es handle sich um eine „unschuldige Vorführung“ anlässlich einer Themenwoche vom vergangenen November. Das Motto: „Lerne Deine Klassenkameraden kennen“. Diese kamen aus neun verschiedenen Ländern. U.a. gab es auch polnisches Essen zur Verkostung und der muslimische Schüler wollte zeigen, wie er zu Allah betet. Die praktische Religionsübung endete mit dem gemeinsamen Hinknien, Berühren des Bodens mit der Stirn und dem Gebet „Allahu Akbar“. Die Schüler fanden es offenbar ganz lustig, wie auf dem Video zu sehen ist.

Trotz Shitstorm bleibt Islam Unterrichtsfach

Laut Direktor habe die Schule klargestellt, dass die Vorführung nicht gefilmt werden dürfe. Dazu bräuchte es die Einwilligung aller Eltern. Das wurde nicht befolgt, das Video landete im Netz. Die Mutter war bis dato für die Schulleitung nicht erreichbar. Ihr Sohn ist nicht mehr an der Schule, was aber nichts mit dem Video zu tun habe, sagte Hougaard. Trotz des Shitstorms bleibe der Islam weiterhin Unterrichtsfach. Denn das dänische Gesetz verlange, Schülern alle Religionen inklusive praktisches Verständnis nahezubringen.

Arabische User begeistert

Die Schulleitung muss jetzt mit Hilfe von Anwälten das Video aus dem Netz bekommen, da keine Zustimmung der Eltern vorliegt. Die auf arabischen YouTube Kanälen kursierende Aufnahme verbreitete sich nach Angaben von Radio 24syv in ganz Nordafrika. Dort ist der Film mit einem falschen Text unterlegt: ein Junge von der Elfenbeinküste lehrt Kinder in London zu beten, heißt es da. Das Video wird angeblich gerne von Personen des öffentlichen Lebens in Algerien, Marokko und Tunesien geteilt.