In der serbischen Stadt Loznica gehen die Wogen hoch: in einem auf Facebook geposteten Video sieht man Migranten, die im Umfeld eines Friedhofes in Unterhosen herumlaufen, provisorisch campieren, sich am Brunnen daneben waschen und angeblich den Friedhof als Toilette benutzen.

Von Kornelia Kirchweger

Schockierendes Video

Das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wurde 20.000mal gesehen. Die Reaktionen sind wütend und entsetzt: Der User Jadranka D. schrieb: Im Kosovo besuchen Serben unter Polizeieskorte die Friedhöfe…

was wäre, wenn wir durch ihre Friedhöfe in Unterhosen gehen… es wird bald auch in den Kirchen beginnen, dort gibt es ja auch Wasser…

Ljiljana M. bestätigte, was auf dem Video zu sehen ist und postete: war gerade am Friedhof, was man auf dem Video sieht, stimmt…. Warum lässt man das zu, warum gehen sie nicht auf den Parkplatz vor dem Rathaus…? Ein anderer User, Aleksandar S., fordert Selbsthilfe durch die Bürger, weil vom Staat sowieso keine Hilfe zu erwarten sei.

Nach Protesten Sperre des Friedhofs

Die Situation um das Friedhofsareal ist nicht neu. Seit Monaten herrscht dort ein Kommen und Gehen von Migranten. Trotz Beschwerden vieler Bürger fanden die Behörden bisher keine Lösung. Nach Veröffentlichung des Videos kam es zu einem Shitstorm auf Facebook. 20 Stadtbewohner forderten dann die Behörde in einem Schreiben auf, das endlich zu beenden.

Laut Lokalzeitung Loznicke Novosti beschwichtigte der Friedhofsdirektor: die Funktion des Friedhofs sei durch die Migranten nicht beeinträchtigt. Sie waschen sich halt am Brunnen neben dem angrenzenden Glashaus.

Herkunft unbekannt

Man habe schon fünfmal die Polizei gerufen, aber Migranten dürfen sich eben frei bewegen. Schließlich wurde der Brunnen stillgelegt. Die Migranten werden mit Trinkwasser versorgt und dürfen den Friedhof nicht mehr betreten. Das Areal wird per Video überwacht.

In Loznica hält der Zustrom von Migranten seit Monaten an. Sie lassen sich auf den Parkflächen neben dem Bahnhof und an der Bushaltestelle nieder und schlafen im Freien.  Es sind meist Gruppen junger Männer.

Bezüglich Herkunft und Zahl der Migranten gibt es keine Auskunft seitens der Behörden. Die Migranten seien jedenfalls sehr entspannt, haben tolle Mobiltelefone, telefonieren viel oder hören Musik, berichten Medien.

Alle wollen in die EU

Loznica ist nicht das Endziel der Migranten. Die Stadt liegt am Fluss Drina, der Serbien von Bosnien-Herzegowina trennt. Dorthin wollen sie und dann weiter in die EU. Im nagegelegenen Dorf Brasina, ebenfalls am Drina, herrschen ähnliche Zustände.

Jeden Tag kommen Migranten an. Bewohner berichten, die Ankommenden haben detaillierte Routen auf ihren Handys und wissen genau, wo sie hinwollen.