„4,14 Mio.: Regierung verdoppelt Nachbar in Not Spenden“. Diese vermeintliche Jubelmeldung postete Bundeskanzler Sebastian Kurz am Ostersonntag auf seiner Facebook-Seite. Wer im ersten Moment meinte, es handle sich dabei vielleicht um Spenden für tatsächliche Nachbarn, der wurde schnell enttäuscht. Das Geld fließt nämlich nach Syrien…

Ein Kommentar von René Rabeder

Nachbar in Not

Viele von uns kennen sie in diesen Tagen nur zu gut. Nicht wenige von uns sind leider selbst zu welchen geworden – zu „Nachbarn in Not“. Da ist der Kleinunternehmer, der seit der Corona-Krise vor dem finanziellen Nichts steht. Da ist der Fernfahrer in Kurzarbeit, der plötzlich seinen Kredit nicht mehr zahlen kann. Die alleinerziehende Mutter. Die Restaurantbesitzerin. Der Friseur ums Eck. Der Betreiber eines Fitness-Studios. Existenzen am Rande des Abgrunds.
Viele von unseren Nachbarn warten noch immer auf die zugesagte Unterstützung der Bundesregierung. Obwohl auch die sowieso hinten und vorne nicht reichen wird.

Just in jener Zeit, in der es so vielen Österreichern so schlecht geht (manchen sogar gesundheitlich), verkündet der Kanzler – nicht ohne stolzer Brust – die Regierung verdoppelt nun die Spenden der Österreicher für Syrien

Eindeutige Antwort der Österreicher

„… um gerade in Zeiten des Coronavirus den Menschen, die unter einer der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit leiden, vor Ort zu helfen!“, so Kurz auf Facebook. Die Antwort der Österreicher: Eindeutig! Ein „Shitstorm“, wie man sowas in diesen Tagen nennt. Unter den knapp 4.000 Kommentaren, die man bereits Montagvormittag dort findet, muss man die positiven mit der Lupe suche. Die Bürger haben kein Verständnis mehr für Aktionen dieser Art. Dem Steuerzahler reicht es:

„Es wäre besser daran für Österreicher in Not zu spenden, denn durch ihre Maßnahmen haben wir innerhalb eines Monats fast 600.000 Arbeitslose und fast 500.000 Menschen in Kurzarbeit, die nicht wissen wie sie um die Runden kommen sollen“, schreibt eine Nutzerin. „Jetzt haben Sie den Bogen eindeutig überspannt, Ihnen Herr Kurz scheint die Höhenluft nicht gut zu bekommen“, attestiert eine andere.

Meine Stimme haben Sie verloren

Die Österreicher lassen sich einsperren. Die Österreicher verzichten darauf, zu Ostern ihre Familien zu besuchen. Die Österreicher tragen die Maßnahmen der Bundesregierung so gut es geht mit. Aber mit Verlaub, eines scheinen Sie, Herr Bundeskanzler, beim luftigen Höhenflug über „Ihr Volk“ aus den Augen verloren zu haben: Wir Österreicher lassen uns nicht gerne verarschen.