Vor zwei Jahren kam der Bad Gasteiner Nikolaus Christian Oberthaler zu unfreiwilliger Berühmtheit. Nachdem er in seinem Nikolausgedicht auch türkische Familien in Bad Gastein bedachte, reagierten Medien, Parteien und auch einige Türken empört.

Prompt unterstellte man dem Nikolaus Rassismus. Doch Oberthaler gab nicht auf, er bleibt der Tradition treu. Auch Corona werde das Brauchtum nicht aufhalten, zeigte er sich im Gespräch mit dem „Wochenblick“ überzeugt.
2018 wollte Christian Oberthaler einen Beitrag zur Völkerverständigung in Gastein leisten und widmete seinen Nikolausspruch der Minderheit. Seine Reime wie: „Hallo Achmed, Erkan, Elif und auch Fatima – ey was guckst du denn so deppert? Nikolaus ist heute da!“, kamen bei den Bad Gasteinern zwar gut an. Doch nachdem ein Video von Oberthalers „Integrationsbestrebungen“ viral ging, stürzten sich prompt Medien und Parteien auf den „rassistischen Nikolaus“.

Gut vernetzter Hass

Der war erstmal von der Hass-Welle von Türken und „Gutmenschen“, wie Oberthaler sagt, die – medial befeuert – auf ihn hereinprasselte, überwältigt: „Mir hat diese Kampagne auch gezeigt, wie gut die Gutmenschen österreichweit vernetzt sind und wie viel Macht da eigentlich dahintersteckt.“

Dabei habe Oberthaler es wirklich nicht böse gemeint: „Das geht ja eigentlich auf die Paradiesspiele zurück, bei denen man schon auch einmal humoristisch verpackte Kritik an den Geistlichen übte. So entstand letztlich die Tradition, dass man die Leute ein wenig durch den Kakao zieht. Bei uns sind schon die Feuerwehrler, die Eisschützen, aber auch die Kärntner und die Schweden … alle einmal vom Nikolaus aufgezogen worden.“ Probleme habe es erst bei den Türken gegeben, nachdem der Spruch durch die Medien ging. „Da regte sich gleich ein Tarik Mete von der SPÖ auf“, ärgert sich Oberthaler. 90% der Einheimischen seien aber hinter Oberthaler gestanden und vereinzelt hätten auch gut integrierte Türken den Spruch lustig gefunden. Mehr Rückhalt hätte sich Oberthaler von Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP), den er ansonsten sehr schätzt, gewünscht: „Das haben mir auch viele persönlich gesagt, dass sie von der forschen Reaktion des Bürgermeisters enttäuscht waren.“

Auch Familie litt

Nachdem auch seine Familie unter der medialen Kampagne litt, entschuldigte sich Oberthaler bei den Türken: „Ein Fotograf aus München schrieb mir, dass er hofft, dass meine Kinder für meinen Nikolausspruch büßen müssen!“ Ob er glaubt, dass unser Brauchtum durch die Migranten verdrängt wird? Oberthaler hat für sich akzeptiert, dass die meisten Türken – auch wenn es positive Ausnahmen gebe – sich nicht mit dem heimischen Brauchtum gemein machen wollen. Die Gasteiner würden sich ihre Traditionen nicht nehmen lassen.

Auch von Corona will sich Oberthaler, der bereits seit 1992 Nikolaus ist und zuvor jedes Jahr als Krampus am Brauchtum teilnahm, nicht einschüchtern lassen. So werde er mit seiner „Theaterpass“ – Oberthaler betätigt sich unterm Jahr als Theaterschreiber – den diesjährigen Nikolaustag virtuell begehen. In einem Video wird der Skandal-Nikolaus seinen eigenen Corona-Spruch präsentieren. Darin wird er auch die Corona-Politik ein wenig aufs Korn nehmen. So wird sich am 6. Dezember zeigen, ob die Regierung kritikfähiger ist als Österreichs Türken.