Finanzkrisen sind kein neues Phänomen. Manche sind regional beschränkt, andere sind international präsent. Durch die immer stärkere wirtschaftliche Verflechtung der Märkte sind globale Auswirkungen von Krisen wahrscheinlicher geworden.

Werfen wir einen Blick in die Geschichtsbücher, so begegnen wir Finanzkrisen bereits in der Antike. Vor Christi Geburt gab es bereits eine Immobilienblase, ausgelöst durch mit Schulden finanzierte Villen und Landgüter in der Provinz Asia. Zur Krise trug auch die Geldpolitik von König Midas bei, der die Geldmenge durch die Senkung des Metallgehalts pro Münze erhöhte, weil Edelmetalle knapp waren.

Gier auf Gewinn überhitzt die Märkte

Erhöhung der Geldmenge, Geldentwertung, Immobilienblase – Moment, das kennen wir doch aus unseren jüngsten Krisen! Hat sich seit der Antike nichts geändert? Haben wir nichts dazugelernt? Die Basiszutaten für Finanzkrisen sind zumeist hohe Schulden, gefolgt von Zahlungsengpässen der Schuldner. Krisen werden immer komplexer. Die Schwierigkeit liegt darin, die Überhitzung eines Marktes rechtzeitig zu erkennen und auch da­rauf zu reagieren. Hinzu kommen die teils enormen Gewinnchancen bis zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise. Die Kunst liegt darin, den tatsächlichen Wert eines Investitionsobjekts zu beurteilen, herauszukristallisieren was überbewertet ist und wann eine Blase zu platzen droht.

Die Anzeichen erkennen

Hinzu kommt, dass es für manches keinen tatsächlich objektivierbaren Wert, sondern einen laufend schwankenden Marktwert gibt. Die Komplexität der Zusammenhänge hat im Laufe der Zeit zugenommen, die elementaren Zutaten sind aber geblieben.
Betrachtet man die aktuelle Situation in Europa im Lichte dieser Erfahrungswerte, muss man festhalten, dass sich unser Finanzsystem in Schieflage befindet:
• Die EZB erhöht seit geraumer Zeit stetig die Geldmenge.
• Die Konjunktur in Europa dümpelt vor sich hin.
• Die Staatsschulden sind weiterhin hoch.

Geldentwertung ist möglich

Ein Lichtblick zu Gunsten des Erhalts der Stabilität unseres Finanzsystems ist die nun u.a. durch die Basel-Bestimmungen restriktivere Kreditvergabe durch Banken, die jedoch bei Unternehmen gleichzeitig auch Wachstum und Konjunkturerholung hemmen. Viele europäische Staaten sind auf niedrige Zinsen angewiesen, um ihre Schulden weiterhin bedienen zu können. Um Problemstaaten wie Griechenland ist es im Augenblick ruhig, doch ein erneutes Hochkochen der Krise scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Geldentwertung und Schuldenschnitte werden uns möglicherweise nicht erspart bleiben.

Risiken streuen bringt mehr als „Schutz“ durch den Staat

Darum ist Streuung der persönlichen Finanzen der einzig verlässliche Schutz, um auch im Extremfall gute Chancen zu haben, einen Teil seines Vermögens ins Trockene zu bringen. Sich nur auf Spareinlagen und die rettende Hand des Staates zu verlassen, kann zu wenig sein, vor allem da die Einlagensicherung auf ein durch Banken gestütztes System umgestellt wurde. Ich möchte meinen „Durchblick“ für das neue Jahr mit einem positiven Aspekt und Hoffnung versehen.

Im Gegensatz zu Krisen der Vergangenheit haben es die Lenker auf nationaler und internationaler Ebene zumindest bis dato geschafft, eine Eskalation zu verhindern. Entschlossenes Durchgreifen hat in Europa Schlimmeres verhindert. Nun gilt es die Krise sanft zu entschärfen – und langsam zur Normalität zurückzukehren.

Eine Kolumne von Dr. Herbert Samhaber

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