[Sperrfrist 07.11.] Stress durch Digitalisierung des Alltags 1
Foto: pixabay

Die fortschreitende Digitalisierung hat die früher exakt gezogenen Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit längst durchlässig gemacht. Durch die permanente Erreichbarkeit wird heute auch in der dienstfreien Zeit gearbeitet, was Stress verursacht und zu Überforderung führt, weshalb nicht nur bei der Arbeiterkammer, sondern auch bei verantwortungsvollen Unternehmern in Oberösterreich die Alarmglocken schrillen.

Mittlerweile sehen sich bereits 80 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden zwischen Inn und Enns mit der Problematik konfrontiert, dass sich durch die immer stärker gewordene Digitalisierung die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit bei den Mitarbeitern vieler Firmen beinahe aufgelöst haben. Über den daraus resultierenden Stress klagen auch immer mehr Arbeitnehmer, was natürlich auch deren Vertreter mobilisiert.

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Sozialer Zusammenhalt in Betrieben schwindet

Das Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (ISW) führt daher alljährlich eine Befragung unter den rund 1.350 Betriebsratsvorsitzenden in Oberösterreich durch. An der zuletzt erfolgten Umfrage sollen mehr als 500 Betriebsräte teilgenommen haben, die die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsbedingungen und die sozialen Beziehungen im Betrieb durchaus kritisch sehen.

70 Prozent von ihnen sagen, dass die sozialen Beziehungen zwischen den Arbeitnehmern dadurch an Bedeutung verlieren und 60 Prozent registrieren ein Schwinden des sozialen Zusammenhalts im Betrieb. 65 Prozent beklagen außerdem eine zunehmende Überforderung durch ständig neue Produktionsprozesse und Abläufe sowie Arbeitsgebiete. 30 Prozent wiederum befürchten, dass Arbeitsplätze wegfallen könnten. „Digitalisierung darf daher nicht einfach von oben verordnet werden, sondern muss mit den Arbeitnehmern gemeinsam gestaltet werden“, fordert AK-Präsident Johann Kalliauer.

Die positiven Aspekte

Auf der anderen Seite vermag jeder dritte Betriebsratsvorsitzende auch positive Effekte in der Digitalisierung zu sehen, weil diese einerseits zu neuen Arbeitsformen führt und andererseits auch neue Geschäftsmodelle und neue Arbeitsplätze entstehen lässt. Das weiß auch Kalliauer. Digitalisierung habe natürlich auch das Potenzial, Arbeitsplätze und Innovation zu schaffen, erklärt er und sagt in Richtung ÖVP: Man dürfe dabei aber nicht immer nur von „Industrie 4.0“ reden, sondern müsse auch „Arbeit 4.0“ mitdenken. Für ihn heißt das gesunde Arbeitsplätze, Investitionen in betriebliche Weiterbildung und Datenschutz.

 

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