Gerhard Knoll (36) weiß einiges über die Missstände in der Arbeiterkammer zu berichten. Warum ihn ausgerechnet ein „Erlebnis wie in der DDR“ dazu bewogen hat, als Betriebsrat in der VOEST zu kandidieren, erklärt der Listenerste der Freiheitlichen Arbeitnehmer im „Wochenblick“-Gespräch.

Ein Inteview geführt von Chefredakteur Christian Seibert

Werbung

„Wochenblick“: Warum haben Sie sich entschieden, Betriebsrat in der „roten“ VOEST zu werden?

Knoll: Ich habe 1998 meine Lehre zum Anlagenmonteur in der VOEST begonnen, war dann beim Bundesheer und bin schlussendlich wieder zurück in den Betrieb gekommen. Mein Erweckungserlebnis war im Jahr 2004, als ich noch als Schichtarbeiter tätig war.

Im Rahmen einer AK- und Betriebsratswahl wurde mir beim Ausfüllen des Wahlzettels von einem Betriebsrat – dezent gesagt – „über die Schulter geschaut“. Erst auf meine Anmerkung hin, dass dies Zustände wie in der DDR seien, wo man nur einen wählen kann und dabei noch beobachtet wird, hat der Mann das Weite gesucht.

Haben Sie über dieses negative Erlebnis mit anderen Mitarbeitern gesprochen?

Selbstverständlich! Und da haben mir viele erzählt, dass es ihnen genauso ergangen ist. Innerhalb der Belegschaft herrschte großer Unmut und ich habe mir nur gedacht: Diese Zustände muss man ändern.

Die Solidarität der Kollegen war für mich die Initialzündung, im Jahr 2008 bei der Betriebsratswahl selbst zu kandidieren und diese Vorfälle öffentlich zu machen.

Immer wieder gibt es Gerüchte, dass bei Betriebsrats- und AK-Wahlen manipuliert worden sein soll. Haben Sie dazu Informationen?

Es gibt sogar eine eidesstaatliche Erklärung eines ehemaligen roten Betriebsratsvorsitzenden der Voest, in der dieser von unglaublichen Wahlritualen der „Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen“ (FSG) Betriebsräte berichtet.

Beim Stimmenauszählen sollen beispielsweise Nicht-FSG Stimmen systematisch zu FSG Stimmen gegeben worden sein. Seit das bekannt ist, wurden beim Auszählen von unseren Vertretern alle Stimmzettel nochmals kontrolliert.

Immer wieder fanden wir freiheitliche Stimmen in FSG Stapeln, umgekehrt passierten diese „Unkonzentriertheiten“ komischerweise nie.

Kann man auf solche Missstände nicht innerhalb der Arbeiterkammer-Vollversammlung hinweisen, in dem auch Sie als freiheitlicher AK-Rat sitzen?

Deswegen haben wir aufgrund dieser Fälle einen Antrag auf Änderung der Wahlrechtsreform im Herbst 2017 eingebracht. Ziel war es, dass auch bei der AK-Wahl wie bei Wahlen zu Allgemeinen Vertretungskörpern an Gemeinden gewählt wird.

Wer dem nicht nachkommen kann, soll mit Wahlkarte wählen. Unser Ziel war es, weg von den Wahlen in den Betriebsratssprengeln zu kommen.

Sind die Freiheitlichen Arbeitnehmer für die AK-Wahl gerüstet?

Wir sind sehr gut aufgestellt. Wir haben zum ersten Mal 220 Kandidaten auf unserem Wahlvorschlag – das ist die höchstmögliche Anzahl.

So viele motivierte Menschen haben sich noch nie für die Freiheitlichen Arbeitnehmer engagiert. Die rote Allmacht in der Arbeiterkammer soll nach der Wahl gebrochen werden!

Wenn man sich die Kritik von AK-Funktionären und SPÖ-Funktionären an der türkis-blauen Bundesregierung ansieht, ist diese teilweise wortgleich. Gibt es da überhaupt noch Unterschiede?

Knoll: Die AK ist eine reine Vorfeldorganisation der SPÖ Oberösterreich. Präsident Johann Kaliauer war für kurze Zeit Landesparteiobmann und das merkt man auch. Ich sehe da jedenfalls keinen Unterschied mehr zwischen der Partei und der Arbeiterkammer.

Immer wieder wird von Luxuspensionen und anderen Privilegien von Würdenträgern der Arbeiterkammer berichtet. Wie stehen Sie dazu?

Diese Entwicklungen lehnen wir natürlich ab. Der durchschnittliche ASVG-Versicherte hat sicher kein Verständnis dafür, dass es sich einige im geschützten Bereich richten und staatlich finanzierte Luxuspensionen kassieren. Wir sind ganz klar für die Abschaffung derartiger Privilegien.

Und werden die AK-Beiträge sonst immer widmungsgemäß verwendet?

Ich stelle mir beispielsweise die Frage, ob die Zwangsbeitragszahler wirklich wollen, dass Migrantenvereine wie „Migrare“ alleine in Oberösterreich mit 20.500 Euro subventioniert werden sollen. Wir lehnen dies ab, denn wir wollen in erster Linie die österreichischen Arbeitnehmer vertreten!