Anrainer wollen bei der Amtshandlung mitgehört haben, wie Beamten den Betreibern erklärten, dass die Gesetze in Österreich auch für sie gelten. Das dürfte den mutmaßlichen Albanern aber relativ egal gewesen sein. Zwei Tage nach der amtlichen Beschlagnahmung der illegalen Spielautomaten wurden die neuen angeliefert. Dieses Spiel soll an diesem Standort in Wels schon jahrelang gespielt werden.

Es handelt sich um ein Lokal an der Welser Ringstraße. Recherchiert man den Sachverhalt, findet man eine mindestens 10 Jahre andauernde Historie. Rechtsstreits über Beschlagnahmungen, Durchführungen von Beschlagnahmungen. Und Monat für Monat das ganze Spiel von vorne. 2018 schrieb das Magazin Profil: „Mafiöse Bande macht Millionengewinne.“ Und: „Das Lager der Welser Finanzpolizei ist rappelvoll mit beschlagnahmten Automaten.“

Zwei Tage nach Beschlagnahme kamen neue illegale Automaten

Scheinbar führen fremde Betreiber – Anrainer wie Ermittler sprechen von organisierten Verbrecherbanden aus dem Ausland – die österreichischen Behörden seit Jahren nach Strich und Faden an der Nase herum. Aktuell gelangen der Welser Lokalzeitung „die Monatliche“ brisante Aufnahmen. Am 23. September beschlagnahmte die Finanzpolizei bei dem Geschäftslokal einige illegale Spielautomaten. Nur zwei Tage danach rauschte ein Lieferwagen an und brachte Ersatz. Die Betreiber lachten sich wohl ins Fäustchen – und dies alles andere als zum ersten Mal.

Foto: Christoph Brückl, Die Monatliche

Wochenblick hat die Finanzpolizei zum Sachverhalt befragt. Dort legt man großen Wert auf die Feststellung, dass sich die Finanzpolizei nicht beirren ließe und auch weiterhin Kontrollen und Beschlagnahmungen durchführen wird. Die Situation sei aber schwierig.

Ausländische Scheinunternehmen, Beugestrafen weitgehend wirkungslos

Speziell in Wels würde es sich um ein ständiges Phänomen handeln, dass Lokale innerhalb weniger Stunden neu mit illegalen Automaten beschickt werden. „Die Finanzpolizei wird daher auch regelmäßig von Seiten der Bevölkerung auf eine etwaige neue Lieferung aufmerksam gemacht. Danach erfolgen weitere Kontrollen und nach Möglichkeit auch Betriebsschließungen. Diese müssen allerdings von der Behörde angeordnet und vorgenommen werden. Teilweise werden sogar betriebsgeschlossene Objekte wieder von den Betreibern abermals aufgebrochen und weiterverwendet. Da die Betreiber sich regelmäßig hinter ausländischen Scheinunternehmen verstecken, sind auch Beugestrafen weitgehend wirkungslos“, erklärte uns Johannes Pasquali, Sprecher des Bundesministeriums für Finanzen und Abteilungsleiter.

Ausländische organisierte Banden

Von uns befragte Anrainer äußerten den Verdacht, dass es sich bei den Betreibern des Lokals um Albaner handle. „Fürs Grobe“ würden hingegen Tschetschenen eingesetzt. Was damit genau gemeint ist, bleibt nicht nur der Fantasie überlassen. Wie Profil im Jahr 2018 festhielt, beschäftigt die Glücksspiel-Mafia „spezialisierte Anwälte und Schlägertrupps“ und verfügt über eine „gut geölte Logistik“. Dass diese Strukturen vor den Augen der Behörden entstehen konnten, führt man auf „Fehler in der Vergangenheit“ zurück. Die Gemeinden hätten früher zu den Betreibern gesagt, so lange sie brav Vergnügungssteuer bezahlen, wäre alles in Ordnung.

Über 1.000 Automaten und Lieferteams in der Rückhand

Dabei würde man sich ständig neue Tricks einfallen lassen. Manche dieser Lokale würden teilweise komplett ohne anwesende Belegschaft geführt. Es gäbe nur eine Klingel zum Einlass. Wenn die Behörden eintreffen, findet sich kein Verantwortlicher, den man belangen kann. Die oberösterreichischen Nachrichten brachten in Erfahrung, dass im Jahr 2015 in Wels 115 illegale Spielautomaten beschlagnahmt wurden.  Das dürfte die Mafia wenig berühren. In Edt bei Lambach gäbe es eine abgelegene Halle, in der über 1.000 neue Automaten lagern. Drei Transportteams stünden stets für den sofortigen Einsatz bereit. Das Lager selbst wäre für die Behörden unangreifbar, weil die Geräte dort nicht in Betrieb sind.

Hohe Gewinnspannen für die Mafia

Die Gewinnspannen für das Verbrecherkartell müssen enorm sein. Pro Automat lassen sich laut Recherchen von Profil bis zu 10.000 Euro im Monat verdienen. Dem gegenüber stehen verzweifelte Angehörige von Spielsüchtigen, die an den Geräten ihr gesamtes Erspartes verspielen. Ob Lokale und Tankstellen mit Gewalt dazu erpresst werden, die Automaten aufzustellen, ist nicht bekannt. Wer die Geräte in seinen Geschäftsräumlichkeiten zulässt, soll hingegen eine monatliche Zahlung erhalten. Wird ein Pächter rechtlich belangt, übernimmt die Mafia Anwalts-, Gerichtskosten und Geldstrafen.