Politik und Mainstream-Medien schäumen: Einmal mehr ließen es sich zahlreiche Bürger nicht nehmen, weitgehend friedlich gegen die strengen Corona-Maßnahmen der Regierung zu demonstrieren. Und einmal mehr hatte die öffentliche Berichterstattung im Nachlauf allerdings eine klare Schlagseite – und fiel durch Verdrehung, Weglassungen oder einschlägiger Verlagerung des Fokus auf. 

Am Wochenende fand in Leipzig neuerlich eine „Querdenken“-Demo statt, die von mindestens 20.000 Menschen besucht wurde. Die Politik ist entzürnt, SPD-Chefin Saskia Esken sprach etwa von einer „innenpolitischen Bankrotterklärung“, weil die Polizei die Anreisewege für die Demonstranten nicht abriegelte, berichtet die Welt. Justizministerin Christine Lambrecht – eine Parteikollegin Eskens – polterte, dass die Szenen in Leipzig „durch nichts zu rechtfertigen“ seien.

SPD-Politiker halten Großdemos für „verwerflich“

Die Demonstrationsfreiheit sei „keine Freiheit zur Gewalt und zur massiven Gefährdung anderer“. Aber auch dem Grund für die Demo konnte sie wenig abgewinnen: „Jeden Tag sterben Menschen am Coronavirus. Wer diese Gefahr leugnet, stellt sich gegen den übergroßen Teil unserer Gesellschaft, der sich an Regeln hält, um sich und andere zu schützen“. 

Thüringens SPD-Innenminister Georg Maier forderte wiederum, bei solchen Großdemos „viel konsequenter, viel härter und frühzeitiger einzugreifen“. Insgesamt sei es seiner Ansicht nach „verwerflich“, in der derzeitigen Pandemielage eine große Kundgebung anzumelden. Übrigens: Bei den nicht minder zahlreich besuchten „Black Lives Matter“-Demos im Sommer ließ er eine derartige abqualifizierende Einschätzung vermissen…

„Rechtsextreme“ und „Corona-Leugner“ als Sündenböcke

Schnell waren auch die „Schuldigen“ gefunden:  Einige Medien wie der Berliner Tagesspiegel publizierten Berichte, wonach sich bereits im Vorfeld die Hinweise auf die Anreise vermeintlicher Rechtsextremisten verdichtet hätten, fordert einen harten Umgang mit Rechten. Auch die Tagesschau hängte dieser Deutung an, spricht von einer „Ohnmacht der Polizei“, von „Corona-Leugnern mit einem Gefühl der Selbstermächtigung“ und deutet „Hooligans“ als Auslöser von Gewalt. 

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak stimmte in diesen Chor ein: Er wollte zwar Eskens Fundamentalkritik an der Polizeiarbeit in Leipzig nicht teilen, verurteilte aber dennoch vermeintliche „rechtsextremistische Ausschreitungen […] aufs Schärfste“. Tatsächlich dürften vor allem Verstöße gegen die Maskenpflicht auf das Konto der „Querdenken“-Teilnehmer gehen. Allfällige Eskalationen vonseiten der Teilnehmer ließen bereits den kritischen Journalisten Boris Reitschuster zum Schluss kommen, dass bestenfalls eine „gezielte Provokation“ stattgefunden habe.

Linksextreme Ausschreitungen im Szeneviertel Connewitz?

Erst, wer sich einen Weg durch den Blätterwald bahnt, liest dann von „Randalierern“ im „Szeneviertel“ Connewitz. Im als Hochburg der linksautonomen Szenen bekannten Viertel kam es laut Focus zu einem Angriff auf eine Polizeistation. Wie der MDR berichtet, könnten die Ausschreitungen in Connewitz auch mit der Verhaftung einer Linksextremistin einige Tage zuvor zu tun haben.

Jedenfalls ist in den Vorfällen im Linken-Grätzel die „Soko LinX“ beauftragt, was wohl auf eine Eskalation aus dem linken Spektrum schließen lässt. Tausende Leser dürften dennoch den Eindruck haben, dass der Großteil der Eskalation in der Stadt von den Teilnehmern der „Querdenken“-Demo ausging. Dabei zogen diese nach der behördlichen Auflösung ihrer Demo großteils friedlich über den Innenstadtring und skandierten Parolen wie: „Frieden, Freiheit und keine Diktatur!“