Hatte Angela Merkel eine seltene Eingebung oder hatte sich doch Angst, dass der von Star-Musiker Xavier Naidoo ausgerufene Volksaufstand breiteren Zulauf findet, als ihr Corona-Regime noch bewältigen kann? Jedenfalls rudert die deutsche CDU-Kanzlerin in Windeseile zurück: Etwas, das normalerweise nicht ihrem politischen Stil entspricht. 

Normalerweise kennt der Deutsche nach 16 Jahren Merkel-Ära immer dasselbe Muster: Sie werden vor geschaffene Fakten gestellt. So folgte bei der großen Grenzöffnung nur vier Wochen nach dem „Wir schaffen das“ ein „Nun sind sie halt da“. In der Corona-Krise setzte sie wiederum auf eine beharrliche Kontinuität – und zwar eher in Richtung einer Sperre. Folgerichtig war nicht zu erwarten, dass sie sich von ihrem einmal gefassten Entschluss zum Total-Lockdown abbringen ließe. Dann geschah das unerwartete: Sie gestand ein etwas falsch gemacht zu haben: „Der Fehler ist mein Fehler“. 

Breiter Widerstand gegen Knallhart-Oster-Lockdown

Ursprünglich sollte von 1. bis 5. April das ganze Land zusperren – sogar Supermärkte sollten schließen. Dagegen regte sich aber im Volk immer mehr Widerstand. So viel Widerstand, dass sogar die Ministerpräsidenten der Länder, die sich ursprünglich mit der Kanzlerin auf diese knallharte Strategie verständigem wollten, begannen, auszuscheren. Sogar CDU-Chef Armin Laschet – also der ranghöchste Parteikollege und Nachfolger von Merkel am Parteivorsitz – ärgerte sich über die Kommunikation der Corona-Strategie!

In einem Presse-Statement wurde Merkel dann ganz kleinlaut: „Um es klipp und klar zu sagen: Die Idee einer Osterruhe war mit guter Absicht“, zitiert sie etwa die „Welt“. Für diesen Fehler müsse sie nun geradestehen, dieser sei zu korrigieren. Die Verunsicherung der Bürger findet sie bedauerlich und bittet diese um Verzeihung – ein einmaliger Schritt. Gegenüber den Landeschefs räumte sie sogar ein, dass Aufwand und Nutzen einer solchen Regelung in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander stünden. 

Merkel angezählt – nicht alle Verschärfungen vom Tisch

„Es war mein Fehler. Beim Kopf durch die Wand gewinnt immer die Wand – das ist meine lange Erfahrung“, so die Kanzlerin vermeintlich staatsmännisch. Und naturgemäß werteten andere Union-Landeschefs ihre Kehrtwende als Zeichen von Größe. Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kanzlerin infolge ihres kompromisslosen Corona-Regimes nur wenige Monate vor der Bundestagswahl (bei der sie allerdings nicht mehr als Spitzenkandidatin antritt) schwer angezählt sein dürfte.

Übrigens: Alle Verschärfungen sind freilich nicht vom Tisch. Die Kanzlerin berät sich mit den Ministerpräsidenten nämlich weiterhin über andere schikanöse Maßnahmen, die dann alle Regionen mit einer Inzidenz von über 100 Testpositiven je 100.000 Einwohner gelten könnten. Möglich ist etwa eine Ausweitung der FFP2-Maskenpflicht auf Privat-PKWs für Mitfahrer sowie eine Reihe von Ausgangsbeschränkungen…