Die schwedische Zeitung Expressen deckte nach monatelangen Recherchen einen ungeheuerlichen Skandal auf: der sozialistische Kommunalpolitiker Rashad A., aus Ljungby (Smaland), verschaffte sich mit Menschenschmuggel ein beachtliches Zusatzeinkommen. Pro „Personentransfer“ von Griechenland nach Schweden verlangte er 3.000 Euro für Erwachsene, 2.000 Euro für Kinder. Aufgrund seiner Tätigkeit in verschiedenen Ämtern hatte er Zugriff auf die erforderlichen Pässe und Dokumente. 

Der 27-jährige Mann war vor seiner Wahl in den Stadtrat von Ljungy bei der Sozial- und Pensionsversicherung sowie bei der Steuerbehörde und am Arbeitsamt tätig. Er hatte damit Zugang zu Pässen und Aufenthaltsgenehmigungen. Mit diesen Dokumenten bereits im Land lebender Migranten holte er „die Ware“ persönlich in Griechenland ab und brachte sie nach Schweden.

Holte Migranten persönlich in Griechenland ab

Er selbst sei ursprünglich als (illegaler) Migrant ins Land gekommen. Später habe er mit „seinem System“ seine ganze Familie und viele andere Menschen nach Schweden gebracht, erzählte er in einem, von Expressen heimlich auf Kreta, mitgefilmten Gespräch. Dort hielt er sich auf, um ein vierjähriges Kind – mit dem Pass seiner Tochter – zu schmuggeln. Mit einem Kind sei es besonders einfach. In jedem Fall sei aber selbstsicheres Auftreten wichtig. Bedingung sei auch die Ähnlichkeit mit der Person auf dem Pass. Er mache das alles, vor allem, wegen des Geldes, sagte er den verdeckten Reportern.

Annonce in sozialen Medien

Expressen untersucht seit Jahren die kriminellen Strukturen von Terrorismus und Menschenschmuggel. Es gebe dabei viele Überschneidungen. Man überprüfte dazu geschlossene Gruppen auf sozialen Medienplattformen. Dabei stieß man auf die Annonce eines anonymen Accounts, die sich direkt an Migranten in Griechenland richtete, die weiter nach Schweden wollen. Expressen nahm in einer verdeckten Operation Kontakt mit Rashad auf. Es dauerte zwei Monate, bis dieser ihnen Telefonnummer und Name gab. Schließlich schickte er Expressen auch Kopien von echten Pässen und Aufenthaltsgenehmigungen, um seine „Seriosität“ zu beweisen.

Schock für Reporter – lächerliche Strafe

Der Schock sei groß gewesen, sagte Expressen-Reporter Kassem Hamade, als man herausfand, wer hinter dem Menschenschmuggler stecke. Ein gewählter Politiker mit zahlreichen anderen offiziellen Ämtern! Als Expressen den mutmaßlichen Schmuggler mit dem Video von Kreta konfrontierte, bestritt dieser anfangs alles. Später meldete er sich telefonisch und gab an, er habe seine politischen Ämter zurückgelegt und ihm tue das alles sehr leid. Laut Expressen gilt Menschenschmuggel als grenzüberschreitende Straftat, auf die eine maximale Freiheitsstrafe von zwei Jahren steht.

Milliardengeschäft und Einschleusung von Terroristen

Im Interview mit dem schwedischen TV sprach Hamade von einer sehr ernsten Angelegenheit. Denn Terrorgruppen wie Al-Qaida und der Islamische Staat (IS) nutzen Menschenschmuggler-Netzwerke, um ihre Leute in schwer zugängliche Länder – auch nach Europa – zu bringen. Nach Angaben von Europol haben diese kriminellen Netzwerke allein im Jahr 2015 zwischen drei und sechs Milliarden Euro Profite gemacht, die sie wiederum in verbesserte Netzwerke investieren.