Die deutsch-iranische Soziologin Naika Foroutan forderte kürzlich, nicht mehr so viel über Einwanderung zu sprechen.

Gegenüber der Frankfurter Rundschau sprach sie: „Ich finde, wir reden zu viel von Migranten. Wir haben nicht verstanden, dass es um Demokratie geht, darum was wir unter Demokratie verstehen. Der Kernkonflikt in postmigrantischen Gesellschaften dreht sich nur an der Oberfläche um Migration.“

Migration ist keineswegs vorbei

Postmigrantisch würde aber nicht bedeuten, dass die Migration generell vorbei sei. Denn in postmigrantischen Gesellschaften gehe es darum, wer mitsprechen dürfe, wer gehört werden dürfe und wer das Gefühl habe, „in der pluralen Demokratie in den Hintergrund zu geraten.“ „Es heißt, zu fragen: Was passiert nach erfolgter Migration? Mit den Menschen, die emigriert sind, mit ihren Nachkommen, mit jenen, die schon ein paar Generationen lang hier waren?“

Deutschland seit Jahrhunderten divers

Die Professorin an der Berliner Humboldt-Universität erinnerte an das Grundgesetz, in dem des das „starke Versprechen“ gebe, dass niemand wegen seiner Herkunft, Geschlechts oder der Religion diskriminiert werden dürfe. Deutschland wäre bereits seit Jahrhunderten multikulturell, auch bevor es Einwanderung gegeben hatte.

Bereits vor der Nationalstaatsgründung habe man gewusst, „dass es (Deutschland, Anm. d. Redaktion) identitär nicht zu haben war“. Foroutan erinnere an eine Aussage des Berliner Abgeordneten Wilhelm Jordan in der Frankfurter Paulskirche, der 1848 gesagt hätte: „Alle, welche Deutschland bewohnen, sind Deutsche, wenn sie auch nicht Deutsche von Geburt und Sprache sind.“