Bisher durften in Spanien die Regierungen der autonomen Regionen in Sachen COVID-Maßnahmen ihr eigenes Süppchen kochen. Das führte zu einem vollkommen unübersichtlichen Chaos: in einigen Provinzen Bewegungseinschränkungen auf Gemeindeebene, in anderen nach Bezirk oder Region.

Auch die Maskenfrage war nicht einheitlich gelöst – je nach Provinz gab es bisher unterschiedliche Regeln und Ausnahmen. In manchen Gegenden durfte man bisher auf die Gesichtswindel verzichten, wenn man den Mindestabstand einhalten konnte. Galt bislang in der Provinz Navarra Maskenpflicht ab 12 Jahren, so mussten sich in Katalonien bereits 6-Jährige verhüllen.

Auch für Kinder gilt Maskenpflicht

Seit 30. März herrscht nun Klarheit – die Nationalregierung in Madrid unter Pedro Sanchez (PSOE) hat per Dekret die Kleiderordnung für den spanischen Maskenball landesweit vereinheitlicht. Ausnahmen wie bisher an katalonischen Stränden oder auch in Schwimmbädern sind nicht mehr vorgesehen. Ab dem 6. Lebensjahr muss jetzt jeder im Freien eine Maske tragen, immer und überall, selbst wenn kein anderer Mensch weit und breit zu sehen ist.

Den bis zu 100 Euro Bußgeld kann nur entkommen, wer entweder gesundheitliche Beeinträchtigungen glaubhaft machen kann oder als Einzelperson Sport treibt. Im seit jeher mit ordentlichem Misstrauen gegenüber Madrid ausgestatteten Barcelona sieht man wohl auch deshalb immer mehr Menschen in voller Joggingmontur und entweder gar keiner oder zumindest unters Kinn gezogener Maske.

Strafen zur Sanierung des Staatshaushaltes?

Zeitlich begrenzt ist das Dekret nicht, es muss von den zuständigen Gesundheitsbehörden wieder aufgehoben werden, wenn die „Pandemie-Lage“ dies zulässt. Kritiker der Verschärfungen sehen im Zusammenhang mit der beginnenden Strandsaison und den beschlossenen Strafen den Versuch, das Staatsbudget aufzubessern.

Bisher noch keine FFP2-Masken

Am heutigen Mittwoch hatten die Regionalregierungen Gelegenheit ihre Änderungsvorschläge vorzubringen. Nur die Vertreter der Balearen und der autonomen Region Valencia baten darum, weiterhin Ausnahmen an ihren Stränden gewähren zu dürfen. Die Regierung Kataloniens tat sich indessen staatstragend hervor und bestärkte die Nationalregierung darin, hart zu bleiben und der Inkohärenz ein Ende zu setzen. Zumindest bleibt den Spaniern bisher die FFP2-Pflicht erspart und sie dürfen sich maskenmäßig kreativ austoben. Offenbar haben Pedro Sanchez und sein Umfeld es verpasst, zeitgerecht eine entsprechende Produktions- bzw. Um-Etikettierfirma ins Leben zu rufen.