2018 ist ein mehrfaches Jubiläumsjahr: 50 Jahre sind es her seit der Mai-Revolte einiger Studenten Europas; vor 80 Jahren wurde Österreich durch den Anschluss dem Deutschen Reich einverleibt; vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg seinem Ende entgegen; vor 140 Jahren erlangten Rumänien, Serbien, Montenegro und Bulgarien ihre Unabhängigkeit zurück; vor 170 Jahren fand in vielen Ländern Europas die sogenannte bürgerliche Revolution statt.

Vor 600 Jahren wiederum befand sich Mitteleuropa kurz vor den sogenannten Hussitenkriegen, nachdem drei Jahre zuvor der böhmische Reformator Jan Hus vom Konzil in Konstanz wegen Ketzerei zum Tode verurteilt und anschließend öffentlich verbrannt worden war.

2018: Jahr der Jubiläen

Vor kurzem hat dazu passend der auf historische Romane spezialisierte NEL-Verlag das 1932 mit dem Literaturpreis der Tschechoslowakei prämierte Werk „Jan Hus, der letzte Tag“ vom elsässischen Schriftsteller Oskar Wöhrle (1890-1946) neu herausgegeben.

Dieser historische Roman erzählt sämtliche Ereignisse, die sich am 5. und 6. Juli 1415 – während der letzten 24 Stunden des Lebens Hus‘ – in der damaligen Konzilstadt Konstanz abgespielt haben: Vom Bürgermeister Johann von Schwarzach der sich vor allem Sorgen macht, wie er all diese unerwarteten Ereignisse finanzieren kann, ohne seine zum Aufstand neigende Bürgerschaft zu vergrämen; vom Vogt, Hans Hagen, der sich bemüht, dass die öffentliche Ordnung in der guten und getreuen Stadt am Bodensee bewahrt bleibe und von Zižka von Trocznow.

Packende Geschichte

Der einäugige Ritter und Freund von Hus hat sich die Unterstützung des böhmischen Adels sowie von König Wenzel geholt. Von seinen Freunden muss er jedoch zu seiner Bestürzung erfahren, dass sämtliche feierliche Vereinbarungen und Versprechungen seitens der Kurie und des Kaisers gebrochen wurden. Trocznow will den gefangenen Freund mit brachialer Gewalt aus dem Turm befreien.

Kaiser Sigmund – der Bruder Wenzels –, hingegen versucht verzweifelt, seine Kassen wieder zu füllen, während seine vernachlässigte Kaiserin nach etwas Abwechslung sucht. Das Handlungsspektrum reicht bis zum zwielichtigen Spion Zagg Zagula, der die böhmischen Adeligen bespitzelt, um den Vogt gegen klingende Münzen zu informieren und den Deutschrittern und ihrem Komtur von Blaw und den mit ihnen verfeindeten Litauern, die das Konzil in eigener Angelegenheit ebenfalls aufsuchen. Alle überragt Jan Hus, der partout recht haben und auf keinen Fall abschwören will. Ein packender Historienroman!