Keine Sorge, die Überschrift ist kein Aufruf an alle Schüler Mathematiklehrer zu werden. Im heutigen Beitrag werde ich auf die für mich bedeutende und unterschätzte Rolle der von Vielen ungeliebten oder gar gefürchteten Mathematik eingehen.

Ein Kommentar von Dr. Herbert Samhaber

Den Vorschlag, Mathematik in gewissen Schulen und Schulstufen aus dem Lehrplan zu verbannen, halte ich gelinde ausgedrückt für kontraproduktiv für die Zukunftsperspektiven unserer Kinder.

Mathematik als Wahlfach

Anstatt die Ursachen für das schlechte Abschneiden unserer Maturanten im letzten Jahr (ein Viertel kassierte ein „Nicht genügend“ im ersten Anlauf) zu finden und diese Probleme zu beseitigen, stellen Jungpolitiker die Forderung auf, Mathematik nur mehr als Wahlfach bei der Matura zu sehen. In unserer immer stärker digitalisierten und vernetzten Welt liefert Mathematik die Grundlage für immer mehr Bereiche unserer Lebens- und Arbeitswelt.

Das Ziel muss sein, im Schulunterricht den Praxisbezug und die Anwendungen der Mathematik besser aufzuzeigen. Nach einem Grundlagenteil sollte eine Aufteilung auf mehrere Fächer oder Themenschwerpunkte innerhalb des Mathe-Unterrichts erfolgen.

Praxisbezug im Vordergrund

Damit meine ich Disziplinen, die auf Mathematik teilweise oder gänzlich aufbauen wie allen voran Informatik, Wirtschaftskunde, Physik und Chemie. Doch bereits im Grundlagenteil sollte der Praxisbezug in den Vordergrund gerückt werden. Die Frage: „Warum muss ich das wissen?“, sollte in jedem Teilbereich für die Schüler klar beantwortet werden.

Reiner Frontalunterricht und bloße Wiedergabe von Informationen sind zu reduzieren und durch verständnisorientiertes Lernen zu ersetzen. Schüler sollten aus Eigenmotivation Zusammenhänge verstehen wollen, weil sie begreifen, dass sie das für das spätere Leben brauchen und nicht Informationen akkumulieren, weil das so vom Lehrplan vorgegeben ist.

Freude am Fach entwickeln

Im Idealfall begreifen Schüler nicht nur, dass sie Mathematik brauchen, sondern entwickeln durch Anwendungsmöglichkeiten Freude am Fach. Das schafft ein produktiveres Lernklima bei dem auch mehr Wissen in den Köpfen hängen bleibt. Es ist ein großer Unterschied ob ich eine Formel oder einen Satz auswendig lerne – oder ob ich diese inhaltlich verstehe und ihre Anwendungsmöglichkeiten kenne.

High-Tech-Firmen in Österreich klagen häufig über zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt. Gerade in Oberösterreich gibt es zahlreiche Unternehmen, die immer mehr Mitarbeiter im Bereich der MINT-Berufe (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) benötigen. Schüler und angehende Studenten sollten die Möglichkeiten in diesen Bereich nutzen.

MINT-Kernbereiche

Das Verständnis von Zusammenhängen, die sich durch Mathematik begreifen und erklären lassen, ist auch wenn man nicht im MINT-Kernbereichen tätig sein möchte, dennoch für jeden wichtig. Zahlen in Relationen setzen können, um adäquat einstufen und abschätzen zu können, ist für uns alle nützlich.

Das Verständnis von Prozentrechnung, Inflation und Zinsen ist gerade in der aktuell andauernden Niedrigzinsphase wichtig. Mathematik sehe ich auch als Werkzeug zur Emanzipation von der politischen Bevormundung und der Möglichkeit wirtschaftliche und politische Maßnahmen evaluieren zu können. Frei nach dem Motto: „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“

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