aigen im mühlkreis
Die Allee wie sie sich zur Zeit präsentiert: Blattlos und mit Baumstümpfen.

Schützenswerte Alleen sind in Oberösterreich schon eine Rarität. Daher sollte mit ihnen besonders sorgsam umgegangen werden, rät der Naturschutzbund. Auch die Grünen äußern Kritik.

Ein Beitrag von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

So eine erhaltenswerte Allee gibt es noch in Aigen im Mühlkreis, wo man unlängst 20 „kranke“ Eschen aus dem alten Baumensemble extrahierte. 17 davon sollen allerdings völlig gesund gewesen sein wie die Grünen nachträglich festgestellt haben wollen.

Gemeindebesitz

„Suchen Sie hier ein schönes Motiv?“ fragt mich die Passantin, eine ältere Dame, die mich an der Alleestraße nach dem Bahnübergang in Aigen (bei Schlägl) in Richtung Baureith mit dem Fotoapparat hantieren sieht. Ich grinse. Von einem schönen Motiv kann hier wohl keine Rede sein.

Zum einen sind die Bäume dieser Allee um diese Jahreszeit nicht sehr ansehnlich, weil noch kahl; zum anderen wurde sie kräftig dezimiert – zumindest auf einer Straßenseite. Die dort befindlichen Bäume sind im Besitz der Gemeinde. Die Bäume auf der gegenüberliegenden Alleeseite gehören dem Stift und blieben von der Säge verschont.

Aus Sicherheitsgründen

Zum Leidwesen der Bevölkerung wurden auf der gemeindeseitigen Allee 20 Eschen eliminiert – aus Sicherheitsgründen wie es heißt. Die Bäume seien schon sehr brüchig gewesen, argumentierte Bürgermeisterin Elisabeth Höfler.

Die Frau, die mich an der Allee angesprochen hat, schüttelt ungläubig den Kopf und sagt, sie glaube nicht, dass es wirklich nötig war, hier so viele Bäume zu fällen. Sie hat die Vermutung kaum ausgesprochen, da fährt sie sich auch schon mit der Hand vor der Mund.

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Proteste

Auf meinen erstaunten Blick hin erklärt mir die Frau: „Wissen Sie, hier muss man aufpassen, was man sagt. Schließlich lebe ich hier.“ Doch mit ihrer Meinung steht sie keineswegs allein. Es gab eine Unterschriftenaktion zur Rettung der Bäume und bis zuletzt hatte Thomas Eckl von den Grünen in Aigen versucht, die Schlägerung zu verhindert – vergebens. Bürgermeisterin Höfler scheint dieses Engagement der Bürger nicht besonders beeindruckt zu haben.

Es gebe einen Gemeinderatsbeschluss darüber, verteidigte sie vehement die Entfernung der angeblich brüchigen Bäume und damit sei das Thema für sie auch gegessen, obwohl sich 626 Menschen im Rahmen einer Umfrage für die Erhaltung der Eschen ausgesprochen hatten – das ist etwa ein Drittel der Bevölkerung.

Unerbittlich

Am Morgen des 4. Dezembers rückten die „Baumentferner“ unerbittlich an und sägten in zwei Stunden weg, was nicht nur Lebensraum für viele Insekten und Vögel war, sondern auch Generationen von Menschen wohltuenden Schatten gespendet hat.

Viele Aigener glauben heute, dass das ein schwerer Fehler war. Denn eine Untersuchung der Grünen an den gefällten 20 Bäumen hätte ergeben, dass 17 davon gesund gewesen seien. Am Querschnitt des Baumes seien – ausgehend von den Wurzelhalsnekrosen – keine Holzverfärbungen zu erkennen gewesen, die auf ein Eschentriebsterben im Bereich des Stammfußes hingedeutet hätten.

Nachpflanzung

Die Eschen“, sagt Eckl, „hätten möglicherweise noch lange leben können.“ Die Gemeinde verteidigt ihre Entscheidung nach wie vor mit dem Hinweis, dass an der Allee ja kein Kahlschlag erfolgt wäre und neue Bäume angepflanzt würden. Im Frühjahr sollen die Wurzelstöcke ausgegraben und neue Gewächse gesetzt werden.

Von der Größe her würden diese neuen Bäume den bereits vor Jahren gepflanzten Jungbäumen angepasst, womit die Allee künftig wieder gleichmäßig wachsen könne.
Aber bis diese Bäume Schatten spenden, Schadstoffe aus der Luft filtern und Sauerstoff produzieren können werden noch einige Jahrzehnte vergehen müssen, gibt der Biologe Martin Schwarz vom oberösterreichischen Naturschutzbund zu bedenken.

Kulturdenkmal

Auch Flechten und Moose sowie zahlreiche Vogelarten würden erst die älteren Bäume besiedeln, weshalb man sich deren Entfernung grundsätzlich immer gut überlegen sollte. In Oberösterreich sind nach Auskunft von Schwarz nur noch wenige schützenwerte Alleen vorhanden.

Die in Aigen sei eine davon. Deshalb sollte sie auch als Kulturdenkmal ausgewiesen werden. Alleen seien nämlich auch „vernetzte Elemente in der Kulturlandschaft und Leitlinien für wandernde Tiere.“