Sperrfrist 26.06. | Trotz einiger Unstimmigkeiten: Friedinger erneut gewählt
Foto: Photo Plohe

Im Vorfeld gab es deutliche Unstimmigkeiten – aber letztendlich wurde Hans Friedinger im Rahmen der Generalversammlung des Österreichischen Tischtennisverbandes (ÖTTV) als Präsident wiedergewählt. Der „Wochenblick“ verschaffte sich im Gespräch mit dem Katsdorfer einen Einblick in das Tischtennis-Geschehen…

Alte und neue Baustellen für den ÖTTV-Präsidenten

Wochenblick: Hans Friedinger – Ihre Wiederwahl hing am seidenen Faden, warum?
Hans Friedinger: Einige Leute wollten eine Veränderung, aber ich konnte im Präsidentenrat, im Gremium der neun Landesverbände punkten. Letztendlich weiß man nun, dass man ohne den kleinen Friedinger nicht weitermachen kann. Ich bin sehr erleichtert, ich freue mich aufrecht, die Wiederwahl ist sehr bedeutend für mich. Wichtig ist auch, dass der in Pension gehende Generalsekretär Rudi Sporrer als Vizepräsident voll im Einsatz bleiben wird.

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Dennoch gibt es viele Hürden zu bewältigen. Der scheidende Rechnungsprüfer Willi Münzer meinte etwa, dass er die finanzielle Situation des Verbandes für äußerst kritisch hält…
Tatsache ist, dass der Vorstand entlastet wurde und dass wir ein gutes Jahresergebnis erzielt haben. Die offenen Forderungen von 340.000 Euro stammen nicht aus meiner Amtszeit und sind differenziert zu betrachten: Es geht dabei um Rückforderungen von Subventionen des Bundes, die zum Großteil nicht gerechtfertigt sind. Andererseits haben wir offene Rechnungen mit der Stadt Schwechat und dem Bund, der das Büro des Weltverbandes über Jahre – obwohl vereinbart – nicht bezahlt hat.

Gerade die Finanzen sollen auch ein Grund für Ihre Wiederwahl gewesen sein.
Da mache ich kein Hehl daraus, dass wir – und an vorderster Front ich persönlich – mit zusätzlichen Sponsoren und den positiven letzten beiden Austrian Open etwa 400.000 Euro erwirtschaftet haben.

Leider schlitterte die private Werner-Schlager-Akademie in ein Finanzdebakel und so stand der ÖTTV mit dem Herren-Leistungszentrum fast auf der Straße.
Ganz so war das nicht, wir haben die privat geführte Akademie zwischenfinanziert und sind zeitgerecht nach Stockerau übersiedelt. Dort erwarten uns jetzt notwendige Umbaukosten von etwa 600.000 Euro, wobei es dafür seitens der Stadt, des Landes und des Bundes sehr gut aussieht.

Schwechat hatte durch Weltmeister Werner Schlager das Prädikat „Weltklasse“ – droht man jetzt auf „Regionalliga-Niveau“ abzurutschen. Schauen Sie da tatenlos zu?
Keinesfalls! Wir sorgen am neuen Standort Stockerau für gute Bedingungen und wollen uns steigern. Wir wollen auch Werner Schlager im Verband eingliedern und ihn als Sportdirektor oder ähnliches gewinnen. Wir waren mit der WSA World Leader im mit 226 Nationen größten Verband der Welt und wollen dort wieder anschließen.

Eine weitere Baustelle: Auch das Frauenteam war durch das mögliche Aus von Liu Jia und die Schwangerschaft von Li Qiangbing Fegerl vor dem Zerbrechen.
Liu Jia war ein Zankapfel im Verband, ist aber der beste Werbeträger und so konnten wir dank Backaldrin eine Top-Lösung finden. Susi wird zwar im Verein für Kolbermoor bei Passau spielen, startet aber eine volle Olympia-Offensive für Tokio 2020. Dadurch kamen wir auch ins Olympia-Projekt. Wir hoffen vor allem auf starke Leistungen beider Teams bei den Europameisterschaften im September in Luxemburg.

Für sportliche Erfolge ist auch der neue Vizepräsident Peter Eckel verantwortlich. Was erwarten Sie da?
Eckel war Nationalteamspieler und mein Vorschlag wurde trotz Gegenkandidatur mit klarer Mehrheit angenommen. Wir arbeiten jetzt gemeinsame Strategien aus. Auf der Agenda stehen unter anderem das Herren-Leistungszentrum in Stockerau, das auf Europaniveau agierende Damen-LZ in Linz, die beiden neuen Nachwuchs-Zentren in Ober- und Niederösterreich und die Offensive an den Schulen.

Ausgerechnet sein Gegenkandidat, Dominik Habesohn, soll nun mit Eckel zusammenarbeiten – wie soll das funktionieren?
Peter Eckel ist eine starke Persönlichkeit, ist im Tischtennis up to date. Dominik Habesohn kommt direkt aus dem Nationalteam und ist in der Verbandsarbeit unerfahren. Diese Kombination ist äußerst positiv: Dominik macht ein dreijähriges Sportmanagement-Praktikum im Verband, bekommt eine Ausbildung und wir profitieren von seinem Draht zu den Aktiven.

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