Über 80 Prozent der Spieler sind schwarz, wie hier im Bild Eric Bledsoe (re.) von den Milwaukee Bucks und Bradley Beal (li.) von den Washington Wizards.

Um die Anliegen der „Black Lives Matter“-Bewegung wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, boykottieren jetzt US-Sportler ihre Spiele – als Zeichen gegen angeblichen Rassismus. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl.

Den Anfang der vielbeachteten Aktion machte das Profi-Basketball-Team Milwaukee Bucks, das sich aus Protest gegen angeblichen Rassismus weigerte, sein Play-Off-Spiel zu bestreiten. Daraufhin wurden kurzerhand landesweit ein ganzer Spieltag abgesagt – in einem nach dem Corona-Lockdown ohnehin zeitlich äußerst klaffen Spielplan.

Wer unterdrückt hier eigentlich wen?

Bei den Bucks sind zwölf von 17 Spielern – 70 Prozent – der Spieler schwarz. Quer durch die Liga ist der Unterschied noch eklatanter – seit 2015 stieg der Anteil farbiger Spieler von 74 Prozent auf 81 Prozent, bei einem Bevölkerungsanteil von 13 Prozent. Irgendwie schaffen sie es aber dennoch, die Entrechteten zu geben – auch vor dem Hintergrund, dass der durchschnittliche NBA-Spieler einer Erhebung im Vorjahr zufolge etwa 7,7 Millionen Dollar im Jahr verdient.

Zum Vergleich: Ein weißer Maurer in der vor allem von deutschen Auswanderern frequentierten Bier-Metropole Milwaukee muss im Schnitt für diese Summe 148 Jahre lang arbeiten. Aber aufgrund seiner Hautfarbe gehört er wohl eben trotzdem zu den Unterdrückern. Er soll sich am besten für seine eigene Hautfarbe entschuldigen – und das alles im Namen des vermeintlichen „Anti-Rassismus“: Vollkommen jenseitig.

Nach Bucks-Boykott: Domino-Effekt im US-Profisport

Der Boykott weitete sich daraufhin auf andere Profi-Sportarten aus. Auch im Fußball, im American Football, beim Baseball und in der Frauen-Basketball-Liga verweigerten Spieler ihren Dienst. Auch die ehemalige Tennis-Weltranglisten-Führende Naomi Osaka – halb Japanerin, halb Afroamerikanerin – schloss sich der Aktion an.

Die zweifache Grand-Slam-Gewinnerin verzichtete auf ihr Halbfinale beim Masters-Turnier in New York und erzwang damit eine Verschiebung im Zeitplan. Immerhin will Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, der noch kürzlich die Denkmalstürmer anfeuerte und bei Pressekonferenzen zumal mit einem Schloss um den Hals auftritt, beim Belgien-Rennen am Wochenende davon Abstand nehmen.

Schwarze in Kriminalstatistik überrepräsentiert

Die neuen Proteste entzünden sich an einem weiteren Polizeieinsatz, bei dem ein Schwarzer unlängst verstarb. Dabei ist es kein Wunder, dass solche Schlagzeilen immer wieder entstehen: Denn Schwarze sind bei schweren Verbrechen überrepräsentiert, mehr als die Hälfte der Tötungsdelikte etwa gehen auf die Kappe von Schwarzen. In über 90 Prozent der Fälle töten Schwarze dabei andere Schwarze. Proteste? Fehlanzeige.

Bei der angeblicher Polizeigewalt werden schwarze Verdächtige sogar häufiger von schwarzen Polizisten erschossen als von ihren weißen Kollegen. Die Mainstream-Medien schweigen dazu beharrlich und bringen die ständig verzerrte Statistik, dass Schwarze bei Polizei-Einsätzen sterben. Joa, eh klar. Es hat auch Rapid Wien mehr Spiele in der obersten Spielklasse verloren als die SV Ried, was wohl auch damit zu tun hat, dass 109 Oberhaus-Saisonen derer 20 gegenüber stehen.

Fakten-Verdrehung um tödliche Schüsse in Kenosha

Auch was die oft gewalttätigen Proteste betrifft, fährt der gleichgeschaltete Blätterwald seine eigenen narrative. In Kenosha, wo sich neuerliche Unruhen entzünden, verfolgten „Black Lives Matter“-Fans einen rechtsgerichteten Amerikaner. Als er stolperte, traten sie gegen seinen Kopf und schlugen ihn mit einem Skateboard. Der bewaffnete junge Mann – die Verfassung gebietet den US-Bürgern, Waffen zu besitzen – erschoss zwei seiner Angreifer und verletzte einen Dritten; allesamt vorbestrafte Linksextremisten.

Unsere Medien berichten dabei bekannt „neutral“: Die Heute titelt etwa „Trump-Anhäger erschießt zwei Demonstranten.“ Die Originalbilder sprechen eine andere Sprache. Freilich, die Frage, ob man sich gleich mit Schüssen wehren muss, ist eine Überlegung, die unserer europäischen Lebenswelt fern liegt. Aber so viel ist klar: Das Narrativ des bösen, aggressiven Trump-Fans, der gegen friedliche Demonstranten wie wild um sich schieße, ist angesichts des Angriffs auf Leib und Leben einfach fernab jeder Realität.

(Achtung: Nichts für schwache Nerven!)

Rassismus-Debatte: Mit vollen Hosen ist leicht stinken

Zurück zum Boykott üppig bezahlter Sportler: Es stellt sich ja generell eigentlich die Frage, gegen welchen „strukturellen Rassismus“ eigentlich demonstriert wird. Fast jede Person des öffentlichen Lebens und jedes größere Unternehmen scheint die Anliegen der Demonstranten zu teilen. Mancherorts gingen sogar die pauschal beflegelten Polizisten vor schwarzen Protestierenden in die Knie. In der Sportwelt ist der Kniefall seit Wiederbeginn gar zum Gesslerhut geworden, dessen Gruß sich nur wenige zu entziehen trauen.

Freilich, man will nicht in Abrede stellen, dass gerade die USA mit seiner bewegten und wechselvollen Geschichte voller ethnischer Spannungen mancherorts noch rassistische Ressentiments kennt. Wenn Millionäre aller Hautfarben aber schwarze und weiße Arbeiter gegeneinander ausspielen, macht das den Eindruck, als wie wenn ein Dicker, der gerade elf Kuchenstücke verputzt hat, zwei dünnen Kollegen weismachen will, der jeweils andere schiele auf das zwölfte Eck. Mit vollen Hosen ist bekanntlich sprichwörtlich gut stinken.