HSV-Profi Bakery Jatta: Kein Prozess trotz Anklage wegen Identitätsschwindel

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HSV-Profi Bakery Jatta: Kein Prozess trotz Anklage wegen Identitätsschwindel

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Inhalt

Der bizarre Fall Bakery Jatta zeigt einmal mehr, dass in Deutschland Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht faktisch nicht mehr geahndet werden: Der HSV-Fußballprofi muss sich nicht einmal vor Gericht verantworten – obwohl er sich die Einreise nach Deutschland höchstwahrscheinlich mit gefälschten Personalien erschlichen hatte.

von Daniel Matissek

In Wirklichkeit wohl drei Jahre älter

Die Farce um die wahre Identität des aus Gambia stammenden Spielers hält seit August 2019 an. Damals hatten deutsche Medien – vor allem „Sport-Bild“ – erstmals berichtet, dass es sich bei Jatta vermutlich in Wahrheit um Bakary Daffeh handele und er tatsächlich fast drei Jahre älter sei als angegeben hatte – um so den besonderen Schutz für alleinreisende minderjährige Flüchtlinge in Deutschland auszunutzen.

Die Vereinsführung soll sowohl von Jattas mutmaßlich wahrer Identität als auch dem mutmaßlichen Betrug gewusst haben; dort stellte man sich, so damals „Sport-Bild“, die Frage: „Bislang wird ja kommuniziert (auch vonseiten des Spielers), dass es keinen ehemaligen Verein gab. Uns liegen aber entsprechende Hinweise vor. Will/soll man das kommunizieren? Zerstört natürlich ein wenig die Story des Wunder-Flüchtlings.“

Fußballer flüchtete in die Opferrolle

Jatta wand sich seit jeher um klare Antworten; statt offen zu bekennen, wer er eigentlich ist, verlegte er sich – um es in der „Fußballersprache” ausdrücken – aufs Kontern und die eigene „Manndeckung“ – und flüchtete in die Rolle des verfolgten Unschuldslamms: „Viele Menschen haben mich gefragt, ob ich etwas sage, um den Berichten, den Menschen und der Hexenjagd entgegenzuwirken. Meine einfache Antwort, warum ich die Attacken nicht kontere: Ich bin nicht wie diese Menschen! Ich bin gesegnet, dass ich die Möglichkeit bekam, hier zu sein. Ich lebe jetzt ein besseres Leben als vorher.“  

Später äußerte er sich ähnlich: „Ich wurde öffentlich an den Pranger gestellt. Aber wofür? Was hatte ich verbrochen? Ich habe mich gefühlt, als wollte man mich wegsperren, mich ins Gefängnis stecken. Doch ich wusste die ganze Zeit, dass nicht alle Menschen in Deutschland so denken, sondern dass es lediglich eine Zeitung war. Zum Glück bekam ich in dieser Phase extrem viel Unterstützung von so vielen Menschen. Allen voran vom Trainer, der viel mit mir gesprochen hat. Und von [HSV-Sportvorstand] Jonas Boldt, der mir nur einmal in die Augen schaute und ich wusste sofort, dass er bedingungslos hinter mir steht.“

Anklage wegen mutmaßlicher Identitäts-Schummelei

Mehrere Vereine hatten aufgrund der unklaren Identität Jattas Einspruch gegen die Wertung von Spielen eingelegt, in denen dieser aufgelaufen war, diese jedoch wieder zurückgezogen, nachdem die Staatsanwaltschaft Bremen und das Hamburger Bezirksamt Mitte im Oktober 2019 ihre Ermittlungen wieder eingestellt hatten. Zunächst jedenfalls.

Dann nämlich griff die Hamburger Staatsanwaltschaft den Fall erneut auf. Im Zuge weiterer Ermittlungen ließen sie unter anderem  ein anthropologisch-morphologisches Gutachten an einem Freiburger Institut durchführen lassen. Dieses stellte fest, dass es sich bei Jatta und Daffeh mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein- und dieselbe Person handle. Aufgrund dessen wurde dann im Dezember 2021 Anklage gegen den Kicker erhoben.

Trotz falschem Geburtsdatum: Keine Verhandlung

Doch dort kuschten die Richter jetzt – und ließen das Verfahren gar nicht zur Verhandlung kommen: Rätselhafterweise konnte – oder wollte – das Amtsgericht „keine überwiegende Wahrscheinlichkeit“ dafür feststellen, „dass der Angeschuldigte über seine Identität getäuscht hat.“ Da der Nachweis der Benutzung eines falschen Geburtsdatums „hochwahrscheinlich nicht zu führen” sei, wäre Jatta „im Ergebnis mangels Beweises von den Tatvorwürfen freizusprechen.”

Triumphierend erklärte Jattas Anwalt Thomas Bliwier daraufhin: „Die Ablehnung erfolgte aus tatsächlichen Gründen. Die Staatsanwaltschaft konnte nicht darlegen, dass Herr Jatta getäuscht hat. Es gibt keinerlei Tatverdacht und keinen Anlass für weitere Ermittlungen. Das ist ausermittelt.”

HSV-Umfeld freut sich über Urteil

Die Staatsanwaltschaft kann nun zwar noch Berufung einlegen; es wäre jedoch überraschend, wenn das Urteil doch noch revidiert würde. Zudem gibt es in der linken bis linksradikalen Fanszene des HSV keinerlei Interesse an der Wahrheit. Der HSV Supporters Club, mit rund 65 000 Mitgliedern, ließ jedenfalls verlauten, man sei „fassungslos, dass die Hamburger Staatsanwaltschaft nun offenbar Widerspruch gegen die Entscheidung des Gerichts einlegen möchte.“

Und weiter: „Es ging im Kern nie um die Aufklärung eines vermeintlichen Delikts. Was wir seit Jahren erleben und worunter Bakery seit Jahren leidet, ist vielmehr eine regelrechte Hetzjagd.“ Man frage sich, „warum die Staatsanwaltschaft die Lächerlichkeit ihres eigenen Handelns nicht erkennt, und fordert in aller Deutlichkeit: Legt diesen „Fall“ dorthin, wo er schon lange hingehört – zu den Akten.“

Auch Sport-Vorstand Jonas Boldt, der nach Jattas Angaben, dessen Unschuld ja schon durch bloßen Augenschein wahrnehmen konnte, stieß ins gleiche Horn:„Wir haben die Entscheidung des Gerichts natürlich positiv aufgenommen. Wir hoffen, dass diese Akte nun endgültig geschlossen ist. Baka war, ist und bleibt für uns ein voll integrierter Mitmensch und kann seine gute Gesamtentwicklung als unser Spieler hoffentlich fortsetzen.“

Kein Interesse an konsequenter Rechtspflege

Fazit der Geschichte: Wenn es zu noch so naheliegenden und einen bloßen Anfangsverdacht bei weitem übersteigenden Mogeleien oder gar handfestem Identitätsbetrug durch Migranten kommt, ziehen in Deutschland alle an einem Strang – Regierung, Justiz und die sogenannte „Zivilgesellschaft“, um den Beschuldigten zu schonen.

Vor allem wenn es sich um seltene Beispiele für „gelungene Integration“ wie bei einem Profi-Fussballer handelt, besteht anscheinend kein öffentliches Interesse an allzu konsequenter Rechtspflege. Zumal gerade bei afrikanischstämmigen Tatverdächtigen immer die drohende Rassismus-Keule mitschwingt. Ganz offensichtlich konnte davon auch Jatta/Daffeh profitieren.

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