Nächste Farce: Tennis-Ass Medwedew wegen Ukraine-Krieg in Wimbledon unerwünscht

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Russische Sportler ins Aus geschossen

Nächste Farce: Tennis-Ass Medwedew wegen Ukraine-Krieg in Wimbledon unerwünscht

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Der totale Kahlschlag gegen alle Russen geht weiter: Sie sollen in einer Art Kollektivschuld für den Krieg ihres Landes mit seinem ukrainischen Nachbarn bestraft werden. Nachdem auch zahlreiche Sportverbände und Veranstalter russische und weißrussische Sportler pauschal ausschlossen, blieben nur mehr wenige Bastionen. Im Tennis war es bislang möglich, unter neutraler Flagge weiter zu spielen. Nun entschied der Veranstalter des renommierten Grand Slam-Turniers in Wimbledon: Russische und weißrussische Spieler sind beim Rasenklassiker unerwünscht. Betroffen sind mehrere Weltklassespieler, allen voran der Weltranglistenzweite Daniil Medwedew.

Zwei Top-10-Spieler vom “heiligen Rasen” verbannt

Der Tennis-Zirkus wird immer mehr zur Clown-Nummer, die ausgerechnet die weltbesten Spieler am härtesten trifft. Im Jänner verwehrte man der Nummer 1 der Welt, dem Serben Novak Djokovic, die Einreise nach Australien, weil er keine Corona-Spritze vorweisen konnte – er konnte seinen Titel nicht verteidigen. Auch bei Masters-Turnieren in Kanada und den USA gab es einen solchen Bann. Einer der Profiteure war der Russe Daniil Medwedew, der bei den Australian Open ins Finale kam und zeitweise sogar die Weltranglistenführung übernahm.

Nun steht Medwedew allerdings vor demselben Problem: Denn für ihn dürfte es kein Antreten am “heiligen Rasen” in Wimbledon geben – weil er russischer Staatsbürger ist. Diese Regelung gilt in einer Art “nationaler Sippenhaft” – da hilft es Medwedew auch nicht, dass er sich bereits vor Wochen für den Frieden aussprach. Damit äußerte er sich fast wortgleich wie der Weltranglistendritte Alexander Zverev. Dieser hat russische Wurzeln, darf als deutscher Staatsbürger aber antreten. Betroffen ist hingegen auch der Weltranglisten-Achte Andrei Rublew, der sich offen gegen den Krieg positionierte.

Auch weißrussische Damen-Stars unerwünscht

Auch andere prominente Gesichter bleiben aufgrund des Bannes bestenfalls Zaungäste beim renommiertesten Tennis-Turnier der Welt. Bei den Damen darf dementsprechend auch die Weltranglisten-Vierte Aryna Sabalenka nicht teilnehmen. Die Weißrussin kam im Vorjahr in Wimbledon ins Halbfinale. Auch ihre Landesfrau Viktoria Asarenka (Rang 18) darf sich in diesem Jahr an jenem Ort, an dem sie 2012 olympisches Gold im Mixed-Bewerb holte, nicht blicken lassen.

Ian Hewitt, der Vorsitzende des ausrichtenden All England Club, verteidigte den Beschluss mit den Worten: “Wir sind uns bewusst, dass unsere Entscheidung für die Betroffenen sehr hart ist, und wir bedauern, dass sie für die Handlungen des russischen Regimes büßen müssen.” Man könne angesichts des Krieges aber nicht akzeptieren, dass das “russische Regime” einen vermeintlichen Nutzen aus den Auftritten russischer oder weißrussischer Athleten in Wimbledon ziehen könnte.

“Diskriminierung”: ATP verurteilt einseitigen Ausschluss

Unterstützung bekommen die ausgesperrten Athleten indes von der Tennisprofi-Organisation ATP. Diese verlautbarte in einer Aussendung: “Wir glauben, dass die einseitig getroffene Entscheidung ein schädlicher Präzedenzfall für das Tennis sein kann. Die Diskriminierung aufgrund der Nationalität stellt auch einen Verstoß gegen die Vereinbarungen mit Wimbledon dar, nach denen die Teilnahme der Spieler nur auf der Grundlage ihrer Platzierungen erfolgt. Wir werden daher nun analysieren, wie wir im Bezug auf diese Entscheidung weiter verfahren werden.”

Auch die Damen-Profi-Organisation WTA äußerte sich ähnlich. Im Gegensatz zu vielen anderen Turnieren haben die ATP und WTA allerdings keinen direkten Einfluss auf Wimbledon. Denn die vier Grand Slam-Turniere fallen formell in die Zuständigkeit des Internationalen Tennisverbandes (ITF). Dennoch gibt es Vereinbarungen mit der ATP-Tour (Herren) respektive der WTA-Tour (Damen) und die Spieler bekommen Weltranglistenpunkte gemäß ihres Abschneidens bei den prestigeträchtigen Turnieren auf drei Gewinnsätze.

Ex-Djokovic-Trainer kritisiert zweierlei Maß

Scharfe Kritik gab es zudem auch von Nikola Pilic, einem ehemaligen Grand-Slam-Gewinner aus Serbien, der Djokovic in seiner Jugend trainierte. Dieser musste einst 1973 selbst erleben, wie er aufgrund sportpolitischer Verwerfungen in Wimbledon nicht antreten durfte. Damals boykottierten in der Folge 81 Spieler, darunter 13 gesetzte Athleten, aus Solidarität mit der unfairen Behandlung das Turnier. Von einem Ausschluss der russischen Athleten von der diesjährigen Ausgabe hält er gar nichts.

Dabei erinnerte Pilic auch an das zweierlei Maß, das zur Anwendung kommt: “Es ist eine Schande. Haben sie irgendetwas ähnliches getan, als die Amerikaner im Irak einfielen und dort über eine Million Zivilisten töteten? Wurden deren Tennisspieler von Turnieren ausgeschlossen? Was hier geschieht, ist in jedem Fall eine völlig übertriebene Reaktion.” Er erinnerte auch daran, dass der Ausschluss vom Turnier einen negativen Einfluss auf die Form Medwedews haben könnte.

Auch Djokovic selbst kritisierte die Entscheidung am Donnerstag: “Wenn sich die Politik in den Sport einmischt, ist das Ergebnis nicht gut”, erklärte der Serbe. Als Kind, das im Balkankrieg aufgewachsen sei, verurteile er jede kriegerische Handlung. Die Entscheidung, russische Sportler pauschal auszuschließen sei allerdings “verrückt”.

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