Strafe für Wimbledon wegen Ausschluss russischer und weißrussischer Sportler

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Nachspiel: ATP setzt Zeichen gegen Gesinnungs-Apartheid

Strafe für Wimbledon wegen Ausschluss russischer und weißrussischer Sportler

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Der Grundsatz, dass Politik im Leistungs- und Unterhaltungssport (und auch wie im Kulturbetrieb) nichts verloren hat, hatte sich seit den Olympia-Boykotten während des Kalten Krieges vermeintlich durchgesetzt. Doch mit Ausbruch des Ukraine-Krieges will man davon im Westen nichts mehr wissen: An Spitzensportlern Russlands und seiner verbündeten Staaten wird stellvertretend für die nicht greifbare Kreml-Führung ein Exempel statuiert, sie werden diskriminiert und abgestraft und von Wettbewerben ausgeschlossen. Im Fall des weltberühmten Tennisturniers von Wimbledon hat dieser heuchlerische moralische Furor nun ein Nachspiel.

Letzten Monat verkündete die Leitung des Tennisturniers von Wimbledon, russische und weißrussische Spieler wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine in diesem Jahr von der Teilnahme auszuschließen. Der Schritt stieß von Anfang an auf Protest: Die betroffenen Sportler werden so zu Geiseln und Leidtragenden politischen Konfrontationen, obwohl sie einfach nur Tennis spielen wollen. Ihre politische Ansicht steht dabei überhaupt nicht zur Disposition.

Moralisten in Wimbledon

Damit jedoch verstießen die gratismutigen Moralisten in Wimbledon gleich gegen eine ganze Reihe von Grundsätzen und Statuten der großen Spielerorganisationen ATP und WTA sowie des Tennis-Weltverbandes ITF, weshalb diese zu einer spektakulären Gegenreaktion ausholten: Die Verbände teilten mit, dass sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in diesem Jahr keine Weltranglistenpunkte in Wimbledon vergeben werden.

Von der ATP hieß es hierzu: „Die Möglichkeit für Spieler jeder Nationalität, an Turnieren auf der Grundlage ihrer Leistung und ohne Diskriminierung teilzunehmen, ist für unsere Tour von grundlegender Bedeutung. Die Entscheidung Wimbledons, russischen und belarussischen Spielern in diesen Sommer die Teilnahme zu verbieten, untergräbt dieses Prinzip und die Integrität des ATP-Ranglistensystems. Die Regeln und Vereinbarungen der Organisation dienten schließlich dazu, die Rechte aller Spieler zu schützen: „Einseitige Entscheidungen dieser Art, wenn sie nicht angegangen werden, schaffen einen schädlichen Präzedenzfall für den Rest der Tour. Diskriminierung durch einzelne Turniere ist auf einer Tour, die in mehr als 30 Ländern stattfindet, einfach nicht tragbar.“

Grand Slam der Heuchelei

In Wimbledon hielt man hingegen trotzig an der Entscheidung fest; die von der ATP erhoffte Verhandlungslösung wird damit wohl nicht zustande kommen. Der „Grand Slam der Heuchelei“ nimmt also eher in Kauf, ein sportlich wertloses, politisch korrektes Haltungs-Turnier zu absolvieren, als allen qualifizierten Leistungssportlern unabhängig ihrer Nationalität und Herkunft eine faire Teilnahme zu ermöglichen.

Großbritannien, ausgerechnet Ursprungsland und Heimstatt des modernen Tennis, nimmt damit eine Sonderrolle ein. Bei anderen Turnieren und auch bei den derzeit stattfindenden French Open war und ist es russischen und weißrussischen Spielern gestattet, als neutrale Teilnehmer anzutreten; hier bleibt die politische Großwetterlage glücklicherweise außen vor.

Auch ATP und WTA verwiesen darauf, dass Tennisspieler als Individuen, nicht als von ihren Ländern entsandte Vertreter an Turnieren teilnähmen. Wimbledon verweist darauf, dass sportliche Erfolge von der russischen Regierung immer auch zu Propagandazwecken missbraucht worden seien. Auch ukrainische Spieler und Spielerinnen führten diesen Punkt an, und äußerten scharfe Kritik an ATP und WTA, die sie zu faktischen Unterstützern Russland erklärten.

Geteiltes Echo unter den Profis

Im Spielerlager stieß die Entscheidung der Tennisorganisationen auf ein geteiltes Echo: Während etwa Mischa Zverev die Maßnahme als „aussagekräftiges Statement, das ich gut finde” begrüßte, weil es auch anderen Grand-Slam-Turnieren zeige: „Ihr könnt nicht Entscheidungen treffen, wie ihr wollt,'” beklagte der Ungar Márton Fucsovics, dass er nun „von Platz 60 auf 130“ zurückfalle. Und der als Weltranglistenzweiter höchstplatzierte russische Spieler Daniil Medvedev erklärte, dass er weder bei der ATP noch in Wimbledon die Entscheidungen treffe. Vielleicht sei es die Regierung, die Druck ausübe, vielleicht sei es ihre eigene Entscheidung. Es gebe „viele Fehler.“ Wenn er spielen könne, sei er glücklich, weil er Wimbledon als Turnier liebe. Wenn er nicht spielen könne, werde er es nächstes Jahr versuchen.

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