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Ganze 560.000 Euro haben die Stadtwerke Trier (Rheinland-Pfalz) für ihren ersten Elektrobus – der Dieselfahrzeuge überflüssig machen soll – ausgegeben. Doch nach zwei Wochen Betrieb musste der „Stolz der Flotte“ und das bisher teuerste Stadtwerke-Fahrzeug laut der Regionalzeitung „Trierischer Volksfreund“ bereits im Jänner vorübergehend in die Garage. Deutsche Diesel-Fans spotten nun im Netz.

Denn der vorgeblich hochmoderne E-Bus kam mit den winterlichen Temperaturen nicht zurecht.  „Wir haben ihn sicherheitshalber vom Netz genommen“, erklärt Michael Schröder, der Leiter des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Trier (SWT). Diese teilten dem „Wochenblick“ auf telefonische Anfrage mit, dass der Elektrobus circa eine Woche außer Betrieb genommen wurde. Nun fahre er wieder seit einiger Zeit.

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Teilweise keine Beschleunigung

„Es gibt Problemchen mit den Batteriezellen und der Software. Die wollen wir nicht auf eigene Faust lösen, sondern lassen uns von den Fachleuten zeigen, was Sache ist. Von denen wollen und müssen wir lernen“, konkretisiert Schröder im Interview mit dem „Trierischen Volksfreund“. Pikant dabei: Sobald der Fahrer die Heizung anschmiss, sank nicht allein die Reichweite des E-Busses beträchtlich.

Es konnte laut SWT-Aussage teilweise sogar vorkommen, dass der Bus nicht mehr beschleunigte. Dabei sei jedoch der Akku zu 47 Prozent geladen gewesen! „Abgesehen davon, dass wir nicht wissen, wo genau das Problem liegt und ob wir es verschlimmern, wenn wir den Wagen weiterfahren lassen, ist es ja unser Job, die Fahrgäste pünktlich von A nach B zu bringen. Und mit geringem Tempo ist das eben nicht möglich“, erklärte der SWT-Abteilungsleiter Technik und Parken Marco Müller.

„Schnurrt wie ein Kätzchen“

In der Stadt Trier wurde der Bus, der bereits vor Weihnachten in Betrieb ging, offenbar erwartungsvoll wahrgenommen. „Trier ist die älteste Stadt Deutschlands – und gleichzeitig sehr modern: Wir sind die ersten in Rheinland-Pfalz, die einen Elektrobus im Regelbetrieb einsetzen. Diese Technologie ist leise und sehr umweltschonend und davon profitieren insbesondere unsere Bürgerinnen und Bürger“, freute sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) noch über die Einführung des ersten rein elektrisch betriebene Solobus.

Auch die zukünftige Trierer Karnevalsprinzessin Marie-Claire Klein, die als Mitfahrerin bereits an Bord war, gab sich zur Einführung optimistisch: „Ich bin ganz begeistert von dem Bus. Er schnurrt wie ein Kätzchen.

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Die winterlichen Temperaturen scheinen Elektro-Pkws und Busse weltweit vor große Herausforderungen zu stellen.

Kein Einzelfall

Die Trierer Panne dürfte indes kein Einzelfall sein: Laut Medienberichten haben einige E-Busse im Winter mit Problemen zu kämpfen, sobald die Heizung über die Akkus eingeschaltet wird. Doch nicht nur Busse sind davon getroffen. In den USA sorgte ein sehr strenger Winter für peinliche Ausfälle bei zahlreichen Elektroautos („Wochenblick“ berichtete). Der deutsche ADAC erklärte laut Medienberichten sogar, dass viele Batterien von Elektroautos bei ausreichender Kälte bis zu 50 Prozent ihrer Reichweite einbüßen könnten!

Insbesondere für die Grünen, die eine vergleichsweise rasche Ersetzung von Diesel-Fahrzeugen anstreben, dürften die neuesten Hiobsbotschaften ein empfindlicher Rückschlag sein. Offenbar sind zahlreiche Elektro-Fahrzeuge bei weitem noch nicht für den Einsatz zu allen Jahreszeiten geeignet.