Das Flüchtlingslager ist übervoll. In Anbetracht der aus Afghanistan zu erwartenden neuen Welle, fordern die Gemeindeverantwortlichen von St. Georgen im Attergau geschlossen und vehement von der Bundesregierung keine weitere Belegung des Erstaufnahmezentrums (EAZ) in Thalham ein.

Von Kurt Guggenbichler

Dies könnten sie nicht mehr verkraften, konstatiert Bürgermeister Ferdinand Aigner (ÖVP), zumal die Zahl der Asylwerber in den letzten Wochen dramatisch gestiegen sei – von rund 60 auf mittlerweile 180 Personen. Dabei handele es sich fast ausschließlich um Männer, die gemäß ihrer ersten Überprüfung ohnehin keine Chance auf Asyl hätten. „Deshalb haben wir uns entschlossen, die Stopp-Taste zu drücken und den Schalter auf Rot zu stellen“, sagt Gemeindevorstand Franz Schneeweiß (FPÖ) auch für den St. Georgener SPÖ-Fraktionsobmann Wolfgang Eder und Ferdinand Aigner.
Nur der Vertreter der Grünen im Gemeinderat fehlte bei dieser Erklärung „krankheitsbedingt“.

Nur Schmäh zur Landtagswahl

Flüchtlinge ohne Chance auf Asyl sollten künftig nicht mehr nur auf die Unterbringungsstellen in Schwechat, Traiskirchen und St. Georgen verteilt werden, appelliert Bürgermeister Aigner an das Bundesamt für Fremdenwesen und betont: „80 bis 100 Asylwerber sind für uns zu bewältigen.“
Aber mehr könne man nicht akzeptieren. Zwar hätte die Leiterin des EAZ in St. Georgen kürzlich „aus Wien“ die Anweisung erhalten, die Verlegung von Flüchtlingen „weg aus Thalham“ einzuleiten, weiß Schneeweiß, doch damit solle nur gute Stimmung für die bevorstehende Landtagswahl gemacht werden. Danach aber werde es wie gehabt weitergehen, vermutet er.
Schon der seinerzeitige Innenminister Georg Strasser hätte einst den Gemeindeverantwortlichen damit gedroht, ihnen „die Bude vollzumachen, wenn sie sich weiterhin über die Flüchtlingszuteilung beklagten“, erinnert Schneeweiß.

Flucht aus Quarantäne

Obwohl seit dem 18. August 2021 bereits täglich zwischen zehn und 20 Flüchtlinge aus dem Lager mit unbekanntem Ziel verschwunden sind, so habe es doch laufend Zugänge gegeben, weshalb sich die Zahl der Personen im Lager nicht wesentlich reduzierte. Unter den Abgängen sind auch Flüchtlinge, die sich in Corona-Quarantäne befanden. Man könne die Leute aber nicht einsperren oder sonst wie zwingen, im Lager zu bleiben“, betont Bürgermeister Aigner.
Am Sonntag, den 22. August, sind gleich 21 Flüchtlinge abgehauen, erläutert Schneeweiß. Zudem würden die im Ort herumstreunenden Männer die Bevölkerung sehr beunruhigen. Man befürchte aufgrund der vielen Aufgriffe an der burgenländischen Grenze, dass jetzt noch mehr kommen werden.

Prinzip Hoffnung

Die Ereignisse von 2015 dürfen sich nicht wiederholen, sind sich die Gemeindeverantwortlichen in St. Georgen einig und hoffen, dass sie mit ihren Sorgen bei der Bundesregierung nicht auf taube Ohren stoßen. Denn die Bezirkspolizeibehörde, mit der man permanent wegen der Probleme mit den Flüchtlingen kommuniziere, kalmiere und vertröste nur, sagt Schneeweiß, der oft zu hören bekam: „Alles nicht so schlimm!“ Doch das, was ihm als Faktum verkündet wurde, ist jetzt zur Hoffnung für die Bürger in St. Georgen geworden.

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