Krankheiten sind nichts Angenehmes und wenn sie einen ernsten Verlauf nehmen, ist jeder Verstorbene einer zu viel. Deshalb sollte man auch Corona nicht auf die leichte Schulter nehmen, zu wenig ist bisher über die Krankheit und deren Verlauf bekannt – und die Experten sind sich nur darin einig, nicht einer Meinung zu sein. Allerdings sollte man auch nicht wegen jeder sensationsheischenden Meldung sofort in Panik verfallen und überreagieren.

Ein Gastkommentar von Felix Nagel

Tod und Krankheiten wurden in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend tabuisiert und aus dem alltäglichen Leben verdrängt. Durch die Corona-Krise sind sie nun wieder allgegenwärtig und täglich werden neueste Statistiken und Horrormeldungen über Ansteckungszahlen und Todesraten publiziert und geradezu genüsslich aufbereitet.

Aussagekraft der Zahlen hält sich in Grenzen

So auch eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die USA mit 58.355 bereits mehr Corona-Tote habe, als im Vietnam-Krieg US-Soldaten gefallen seien (58.220). Die Meldung wurde – wohl auch wegen des laufenden Präsidentschaftswahlkampfes – dankbar aufgenommen und von diversen Medien weiterverbreitet.

Nun mag die Veröffentlichung dieser Meldung sicher die Auflage steigern, der Informationsgehalt für den Leser tendiert jedoch gegen Null. So liegen derzeit in keinem Land der Welt wirklich solide Zahlen vor. Der Grund ist ein Mangel an groß-angelegten Testungen der Bevölkerung. Zudem ist es mit Zahlen auch immer so eine Sache…

Schwere Grippewellen fordern mehr Todesopfer

Bei 328 Millionen Einwohnern in den USA entsprechen 58.355 Tote in etwa 0,0178 Prozent. Bei der schweren Grippewelle 2017/18 verstarben schätzungsweise 61.000 US-Bürger. In Deutschland – mit 83,1 Millionen Einwohnern – forderte die Grippewelle 2017/18 rund 25.100 Todesopfer, weshalb das Robert-Koch-Institut von der höchsten Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren sprach – mit geschätzten 6.340 Corona-Toten hat Deutschland bisher offenbar Glück gehabt. Ähnlich verhalten sich auch die Zahlen für Österreich, bei knapp 9 Millionen Einwohnern zählte man bisher 580 Corona-Tote, die schwere Grippesaison 2017/18 kostete 2.851 Österreicher das Leben.

Zeit für Information statt Panikmacherei

Damals gab es allerdings auch keine Live-Ticker, in denen im Minutentakt schreckliche Zahlen präsentiert wurden, weshalb die Grippewelle von der Öffentlichkeit auch nicht in diesem Ausmaß wahrgenommen wurde. Laut Statistik sterben jedes Jahr in Österreich rund 80.000 Menschen, die bisherigen 580 Corona-Toten machen davon 0,725 Prozent aus.

Es bleibt zu hoffen, dass es nicht mehr werden, aber statt mit Horrormeldungen die Bevölkerung in Panik zu versetzen, sollten Regierung und Medien aufklären und vernünftige Maßnahmen setzen, damit das Leben endlich wieder weitergehen kann.