Am gestrigen Freitag landeten die ersten 200 Erntehelfer aus der Ukraine mit einem Sonderflug am Flughafen Linz-Hörsching.

Bereits seit der Vorwoche hatte sich Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) in bilateralen Gesprächen dafür stark gemacht, bis zu 800 Arbeitskräfte aus dem Land in Osteuropa nach Österreich zu holen. Die meisten der nunmehr gelandeten Ukrainer wird laut ORF auf den Erdbeerfeldern im Eferdinger Becken zum Einsatz kommen.

Obst- und Gemüsebauern forderten die Anwerbung

Der oö. Verband der Obst- und Gemüseproduzenten hatte bereits seit Wochen gefordert, dass Arbeitskräfte aus dem Ausland eingeflogen werden, um bei der Ernte in unserem Bundesland zu assistieren. Gleichzeitig fordert der Gemüsebau-Sektionschef, Ing. Stefan Hamedinger aus Eferding (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen FPÖ-Gemeindepolitiker im Innviertel), den Import weiterer ausländischer Erntehelfer.

Er plädiert dafür, gerade im Vorfeld der Salaternte 150 Personen aus dem Kosovo, insgesamt aber 700 Helfer mit einem Visum auszustatten und einzufliegen. Hamedinger galt einem älteren Standard-Artikel zufolge bereits als das Mastermind hinter der Vermittlung von Asylwerbern an oö. Landwirte.

Hamedinger beschwerte sich über Freiwillige

Einen zusätzlichen Beigeschmack bekommt der Umstand vor dem Hintergrund, dass es eigentlich zahlreiche einheimische Freiwillige gäbe. Erst Mitte April wurde berichtet, dass sich alleine in Oberösterreich etwa 2.000 Personen zur Erntehilfe gemeldet hätten. Aber Hamedinger beschwerte sich damals lautstark über deren Eignung:

„Tatsächlich konnten vermutlich keine 100 Freiwillige vermittelt werden, da die Rahmenbedingung nicht gepasst haben. Oder sich gezeigt hat, dass die romantische Vorstellung von der Landwirtschaft nicht vereinbar ist mit den Anforderungen an die Arbeiter“, so Hamedinger damals.

Billige Erntehelfer aus dem Osten sind Standard

Das Resultat: Nun kommen statt ehrenamtlicher Leute aus der Heimat doch teilweise Billiglöhner aus dem ehemaligen Ostblock zum Einsatz. Die Thematik ist aber keine Neuigkeit, denn schon vor der Corona-Krise setzte man auf Personen aus Drittstaaten. Bereits 2011, als die Arbeitsmarktöffnung für osteuropäische EU-Nachbarländer anstand, befürchtete Hamedinger einen Rückgang der Saisonniers.

Schwerer Konkurrenzdruck mit Südeuropa

Auch damals argumentiert er mit dem Lohnniveau. Gleichzeitig wäre es wohl verfehlt, dem Fachverband alleine die Verantwortung dafür zuzuschanzen, möglichst billige Arbeiter aus Nicht-EU-Staaten für die Ernte zu importieren. Denn im Verkauf müssen heimische Produzenten mit billigem Gemüse aus Italien oder Spanien konkurrieren.

In beiden Ländern werkeln hunderttausende, papierlose Illegale auf den Feldern, teilweise über 70 Stunden in der Woche und oft ohne formelle Anmeldung. Die italienische Mitte-Links-Regierung sieht übrigens ihr Heil darin, diese jetzt zu legalisieren – Wochenblick berichtete.