Auch wenn die Zeit des Vormärz fast vergessen scheint – sie findet weder im Schulunterricht noch auf den Geschichtssendern besonderen Niederschlag – sind die Parallelen zum Corona-Zeitalter beachtlich. Im Fall des Vormärz führte die Repression in die Revolution.

Von Bernadette Conrads

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1815 beschloss der Wiener Kongress die territoriale Neuordnung Europas. Damit einhergehend, wurden napoleonische Reformen, die den Bürgern mehr Freiheiten einräumten, wieder aufgehoben.

In Verbindung mit dem Elend der breiten Verarmung, das die industrielle Revolution mit sich brachte, beförderte die Abgehobenheit des Adels die revolutionären Bestrebungen im Volk.

Der Adel setzte alles daran, die Oppositionellen und Kritiker zum Schweigen zu zwingen. Zu groß war die Furcht der Obrigkeit vor der Revolution, die kurz davor noch in Frankreich einen besonders blutigen Verlauf nahm.

Unterdrückung im Vormärz

1819 setzte die herrschende Klasse, nach zwei Attentaten, die von unzufriedenen Studentengruppen ausgingen, die Karlsbader Beschlüsse in Kraft. Sie verboten die obrigkeitskritischen, studentischen Burschenschaften und waren gleichzeitig die Grundlage für eine breite Zensurwelle über Zeitungen und Bücher.

Besonders an den Universitäten wurde die Meinungsfreiheit erheblich eingeschränkt. So wurden kritische Professoren, wie etwa die Gebrüder Grimm, entlassen.

Im Jahr 2020 begegnen wir – angeblich aufgrund des Corona-Virus – erneut einer besonders repressiven Obrigkeit. Die Corona-Maßnahmen zwingen die Menschen in ihre eigenen vier Wände.

Reisen, Events, Restaurantbesuche – all die Dinge, die das moderne Leben bisher in der Freizeit versüßten, wurden durch die Corona-Maßnahmen mit einem Schlag international über Bord geworfen. „Durch Corona haben die Leute gesehen, was zuhause alles gerichtet gehört.

Wir kommen mit den Aufträgen gar nicht mehr hinterher“, erzählte mir ein befreundeter Tischler. Als die Fachgeschäfte wieder aufsperren durften, sorgten Bilder vom Ansturm auf die Baumärkte für Aufsehen.

Der Rückzug ins Private erinnert an das Biedermeierzeitalter, das ebenso aus den Repressionen des Vormärz resultierte.

Wieder werden wir zensiert

Wie auch im Vormärz befinden wir uns in einer Gesellschaft, in der die Angst vor Bespitzelung anwächst. In Österreich wurden in den letzten Monaten im Eilverfahren etliche Gesetze beschlossen, die die Überwachung und Einschränkung der Kommunikation im Internet zur Folge haben.

Die Corona-App, die Gewährleistung des Zugriffs auf die Mobilfunk-Daten der Bürger durch die Regierung und das Gesetz gegen „Hass im Netz“ sind nur einige Beispiele in einer Reihe von Restriktionen. Wieder befinden sich die Zeitungen am Gängelband der Herrschenden.

Durch ihre finanzielle Abhängigkeit vom Staat vermeiden es die Medien tunlichst, die Regierung zu kritisieren. Wie dazumals die Universitätsprofessoren müssen heute die Ärzte um ihren Arbeitsplatz und ihre Reputation fürchten, sofern sie den Kurs der Regierung kritisieren.

Zusammenkünfte zwischen Bürgern müssen zunehmend im Geheimen abgehalten werden, um nicht den exorbitanten Strafen für Corona-Vergehen anheim zu fallen.

Während des Vormärz entstand in den Ländern des Deutschen Bundes das Vereinswesen. Turnvereine, Sängerschaften und viele andere Freizeitvereine ermöglichten auch den Arbeitern, die keinen Anschluss in den akademischen Burschenschaften finden konnten, Formen des Zusammentreffens und der gesellschaftlichen Teilhabe.

So wie die Karlsbader Beschlüsse den Burschenschaften vorübergehend den Garaus machten, so könnten sich die gegenwärtigen Restriktionen und die überbordende Bürokratie, die das Vereinswesen zukünftig gängeln soll, ebenso schädlich auf dieses auswirken.

Der Gesetzesentwurf zur Bespitzelung der Vereine – sie müssen Anwesenheitslisten führen und sie auf Anfrage dem Gesundheitsministerium von Rudolf Anschober aushändigen – liegt bereits zur Begutachtung vor.

Repression führt zu Revolution

Wieder ist ein erhöhtes Protestpotenzial zu vernehmen. Unzählige Menschen – wie auch damals die liberalen Deutschen zur Bürgerlichen Revolution – gehen für die Freiheit auf die Straße. Das zeigen jedoch nicht nur die explodierenden Querfront-Demonstrationen.

So scheint sich in diesem Jahr auch gleichzeitig das aufgestaute, multikulturelle Konfliktpotenzial in der gesamten westlichen Welt genau jetzt in Bewegungen wie „Black Lives Matter“ oder den Krawallen von Stuttgart, Paris und Wien zu entladen.

Die Motivation, auf die Straße zu gehen, ist durch die Corona-Restriktionen wesentlich höher als davor. Und so zeigt nicht nur die Geschichte, dass ständige Kontrolle, Ausgehverbote und Bespitzelung die Bevölkerung regelrecht zum Ausrasten bringen.

Am Ende führte der Totalitarismus der abgehobenen Herrschaften im Jahr 1848 in die Bürgerliche Revolution und damit zu einer neuen Presse- und Meinungsfreiheit. Und er brachte den Einrichtungsstil des Biedermeier hervor, der bereits seit einigen Jahren eine Renaissance durchlebt.

Vielleicht finden wir dieses Mal – anders als 1848 – nicht zu mehr Freiheit und erreichen keine Revolution. Die Wohnkultur und die Verbundenheit zur Natur dürften aber jedenfalls zu einer neuen Blüte finden.

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