Nach aktuellem Auszählungsstand (20:00) geht die ÖVP als strahlender Sieger aus der Gemeinderatswahl in der Steiermark hervor. Das vergleichsweise dürftige Ergebnis aus 2015 wurde um über zehn Prozent gesteigert. Die SPÖ behauptete sich ohne große Veränderungen, während die FPÖ ein Drittel der Wähler verlor. Die Wahlbeteiligung sank stark. Ungeachtet bunter Wählerstromanalysen, mit denen uns der ORF noch verwöhnen wird, könnte man vermuten, dass vor allem von der Bundespolitik enttäuschte FPÖ Wähler zuhause geblieben sind.

Ein Kommentar von Willi Huber

Mario Kunasek konnte den Bonus, ein recht beliebter Verteidigungsminister gewesen zu sein, nicht auf die Gemeinderatswahlen übertragen. Seine FPÖ Steiermark verlor den einzigen Bürgermeistersessel und etwa ein Drittel der Stimmen. Dabei gaben in der Steiermark gut 64 Prozent der Bürger ihre Stimme ab – fast 10 Prozent weniger als 2015. Wie schon bei der vergangenen Nationalratswahl wäre denkbar, dass große Teile der FPÖ Stammwählerschaft frustriert zu Hause geblieben sind. Die Ereignisse um den einstmals strahlenden Parteichef HC Strache haben Spuren hinterlassen, vor allem aber ein Vakuum, das aus Wählersicht noch niemand zufriedenstellend füllen konnte.

ÖVP punktet mit alles überstrahlender Führung

Bei der ÖVP ist die Führung hingegen unangefochten, hat aus Sicht der Wähler eine weiße Weste und die Themenführerschaft. Natürlich ist hier Sebastian Kurz gemeint, die Strahlkraft von Hermann Schützenhöfer ist dem gegenüber eher enden wollend, aber in Summe gar nicht so wichtig. Zudem darf man nicht vergessen, dass Gemeinderatswahlen Persönlichkeitswahlen sind und sowohl ÖVP als auch SPÖ haben in vielen Gemeinden eine starke Mannschaft mit offenem Ohr für die Bedürfnisse der Bevölkerung.

FPÖ medial totgeschwiegen, an den Rand gedrängt

Dieses offene Ohr haben natürlich auch die Vertreter der Freiheitlichen, doch konnten sie ein Problem bislang nicht überwinden: Ihre Themen, so gut sie auch sein mögen, werden in der Medienlandschaft totgeschwiegen. Deckt die FPÖ einen Skandal auf, kann es passieren, dass überhaupt niemand darüber schreiben will. Kommt hingegen etwas von der ÖVP, die über Presseförderung, Inserate und Corona-Hilfen gebietet, werden die Journalisten tagelang nicht müde, jede verfügbare Zeile damit vollzutexten.

Angepasstheit führt nicht zum Erfolg

Von der ehemaligen Bundesführung vergrämte Wähler haben so viel zu wenig von den Themen der Freiheitlichen mitbekommen. Hier sollten in Zukunft alle verfügbaren alternativen Mittel und Wege noch weitaus mehr genutzt werden: patriotische Medien, soziale Medien aller Art. Wer von den Systemmedien bei jeder Gelegenheit geschnitten, verkürzt oder angepatzt wird, muss irgendwann einmal verstehen: Auch das angepassteste Wohlverhalten an die political correctness des Mainstreams wird keine Beifallstürme dieser Medien hervorrufen.

Glaubwürdigkeit wieder erarbeiten

Opposition muss frech und angriffig sein und den Finger überall dort in die Wunde legen, wo es weh tut. Mit all den unrühmlichen Geschichten, die zur Zeit über HC Strache ans Licht befördert werden, muss man sich die Glaubwürdigkeit, als Kämpfer gegen Machtmissbrauch und Korruption aufzutreten, wieder hart erarbeiten. Die FPÖ war unter Haider und Strache die Partei, die für die Anliegen des kleinen Mannes eintritt und glaubwürdig und mit bestimmter Schärfe andere Werte vertritt als der korrupte Filz der Altparteien. Das ist es, was der Wähler erwartet. Sobald man es wieder liefert, wird er es an der Wahlurne danken und nicht mehr zuhause bleiben oder lieber an den Badesee fahren.