Steinmetz narrte Industriellen
Foto: "Wochenblick"

Aufatmen in Linz-Kleinmünchen: Das Palais Löwenfeld, das seit zwei Jahrzehnten still vor sich hin verfiel, wird jetzt renoviert. Fünf Millionen Euro investiert der Besitzer, die Linz Textil, in die Sanierung und die Verschönerung des einstmals stattlichen Anwesens in der Dauphinestraße, wo bald wieder gewohnt und gearbeitet wird.

Damit bleibt eines der markantesten Bauwerke aus der Zeit der Industrialisierung für die Nachwelt erhalten. Die Villa, an der früher der Weidingerbach vorbeiplätscherte, wurde 1852 von den Unternehmern Richard und Moritz Löwenfeld erworben. Zunächst wurden in dem Haus seine beiden Geschäftsführer untergebracht, später – nach Umgestaltung der Villa zu einem repräsentativen Wohnsitz in den Jahren 1881 bis 1882 – zog die Industriellenfamilie dort ein.
Bei der Errichtung des Palais wurde offenbar an nichts gespart, so erzählte man sich, denn als Heereslieferanten haben die Löwenfelds in den Kriegsjahren 1859 und 1866 gut verdient. Durch diese beiden Kriege, heißt es, haben sie ihren Reichtum begründet. Daher konnte Moritz Löwenfeld für den Villenbau auch die besten Handwerker seiner Zeit verpflichten.

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Ausstehndes Honorar sorgte für Aufreger

Darunter auch den ein wenig verschrobenen Wiener Steinmetzmeister Karl Kohn. Der war nur für ein horrend hohes Honorar bereit, bei der Gestaltung der Löwenfeld-Villa mitzuwirken. Doch er ließ sich Zeit mit seiner Arbeit und erregte dadurch den Zorn des Bauherrn, der Kohn schließlich mit der Verweigerung der Bezahlung des noch ausstehenden Honorars drohte.
Das wirkte! Der Steinmetzmeister sputete sich und erledigte, was noch zu erledigen war. Nun ließ ihn aber Löwenfeld aufs Geld warten. Mit dem Hinweis, noch eine Abschlussarbeit erledigen zu müssen, avisierte Kohn dem Bauherrn per Brief aus Wien seinen Besuch in Kleinmünchen, um bei dieser Gelegenheit gleich auch sein Resthonorar zu kassieren. So geschah es auch.

Löwenkopf mit weit herausstreckender Zunge

Kohn war längst schon wieder in Wien als Löwenfeld die letzte Arbeit des Steinmetzmeister an seiner Villa in Augenschein nahm – und vor Wut explodierte. Denn über dem Eingangstor prangte nun ein Löwenkopf mit weit herausgestreckter Zunge. Das war die Rache des Meisters und als sich Löwenfelds Zorn gelegt hatte, musste auch er über Kohns Streich lachen. Mit dieser Geschichte soll der Kleinmünchner Unternehmer später noch viele Gesellschaften amüsiert haben.

Den 1966 zugeschütteten Weidingerbach gibt es nicht mehr, das Palais aber wird zum Glück und zur Freude der neuen Nutzer weiter existieren.

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