In den „Paradise Papers“ scheint eine prominente Adresse auf.

Geldwäsche, Verschleierung, Steuervermeidung, Steuerhinterziehung in großem Stil: Das alles steckt hinter dem Begriff „Paradise Papers“. Es handelt sich dabei um 14 Millionen Dokumente, die enthüllen, wie Milliardäre und Konzerne Gewinne maximieren.

Ein Bericht von Georg M. Hofbauer

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Unter Ausnützung aller Tricks, die Kanzleien mit Standorten in der Karibik ermöglichen. Wie jetzt klar wird, führen zwei Spuren von den Cayman Inseln direkt in die oberösterreichische Landeshauptstadt.

Diskretion

Zuletzt wurden die „Paradise Papers“ Ende 2017 in einigen Medien thematisiert. Und damit manche Österreich-Verbindung. Dokumente, die nun vorliegen, beweisen jedoch die Spuren mitten hinein in ein Wirtschaftszentrum der Landeshauptstadt Linz. Es geht um die beiden Firmen „Agro Comodity Ltd Austria“ und „Latintrade Ltd“, beide zu finden unter der Linzer Adresse Strasserau Nr. 6.

Kurz zum Hintergrund: Für Konten in der Karibik, auf Inseln mit möglichst wenig Kontrolle und Steuerlast, dafür gibt es offensichtlich immer Bedarf. Dieses Motiv ist auch der Hintergrund für das Geschäftsmodell von Kanzleien, die sich – wie hier konkret in Grand Cayman – angesiedelt haben. Um von hier aus eine ganze Reihe an Kunden bei ihren finanziellen Transaktionen zu betreuen. Diskret natürlich.

Große Datenmenge

Diese Diskretion ist jedoch nur so lange gegeben, solange es keine Daten-Lecks gibt.
Zurück zu den Fakten im Offshore-Skandal namens „Paradise Papers“: Die unvorstellbare Datenmenge von „einskommavier“ Terabyte und fast 14 Millionen Dokumente sind verfügbar.

Zwischendurch: Es gehe nicht immer um Steuervermeidung, wie die Kanzlei mit den vielen prominenten Kunden betont, oder um „Optimierung“, es könne auch einen ganz anderen Grund haben.

Bewegte Geschichte

Und zwar, dass der Klient einfach anonym bleiben will. Dass eben Zusammenhänge nicht bekannt sein sollen. Die Begriffe Geldwäsche, Verschleierung und Steuerhinterziehung liegen damit wieder in der Luft. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Diese Unschuldsvermutung ist auch für die Spur nach Linz anzuwenden, genau dorthin, wo sich die beiden in den Leak-Papieren genannten Unternehmen „Agro Comodity Ltd Austria“ sowie „Latintrade Ltd“ befinden: 4020, Strasserau 6, POB 22. Besser bekannt ist die Adresse, der grüne Gebäudekomplex mit Blick auf die Donau unter VA Intertrading.

Fragen an den Vorstand

Und das Unternehmen war übrigens immer schon anfällig für Schlagzeilen im Zusammenhang mit Millionenverlusten und auch den folgenden klingenden Namen: Heribert Apfalter, Gernot Preschern, Ferdinand Lacina sowie der frühere SPÖ-Chef und Bundeskanzler Fred Sinowatz.

Der „Wochenblick“ pirschte sich an den Vorstand der Intertrading heran, um eine Stellungnahme zu den beiden Unternehmen „Agro Comodity Ltd Austria“ sowie „Latintrade Ltd“ zu erlangen. Die an sich harmlose Anfrage wurde vorerst mit einer Reihe an Gegenfragen „beantwortet“. Der Vorstandsvorsitzende werde informiert…