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Stille Nacht, heilige Nacht“ – das weltweit bekannteste und beliebteste Weihnachtslied feiert heuer seinen 200. Geburtstag. Vermutlich jeder von uns verbindet mit dem Lied schöne Kindheitserinnerungen und beim Klang der Melodie steigt uns sofort der Geruch von Keksen und Tannenreisig in die Nase.

Ein Gastbeitrag von Jan Ackermeier

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In über 50 Sprachen übersetzt

Viele rührende Geschichten sind eng verbunden mit dem Lied, das 1818 erstmals in Oberndorf bei Salzburg erklang. Die bekannteste Begebenheit, die eng mit der „Stillen Nacht“ zusammenhängt, ist der „Weihnachtsfriede 1914“. An der Front in Belgien zwischen Mesen und Niuewkapelle standen sich die Engländer und die Deutschen im Stellungskrieg des Ersten Weltkrieges im ersten Kriegswinter gegenüber.

Am Abend der Heiligen Nacht sangen die Soldaten beider Seiten in den Schützengräben „Stille Nacht“ – die einen auf Englisch, die anderen auf Deutsch, aber alle gemeinsam. Am Morgen des Christtages fassten sich die jungen Soldaten beider Länder ein Herz und verließen die Schützengräben.

Man tauschte Geschenke aus, spielte gemeinsam Fussball im Niemandsland zwischen den Fronten und hielt zwei Tage lang Waffenstillstand. Einen Waffenstillstand, der von der militärischen Führung nicht gern gesehen wurde. Es blieb daher bei diesem einen Weihnachtsfrieden 1914. Er war aber ein starkes Zeichen der Menschlichkeit in einem zunehmend entmenschten Krieg. Die Melodie von „Stille Nacht, heilige Nacht“ berührte aber nicht nur in schweren Zeiten die Herzen der Menschen. Das Lied wurde in über 50 Sprachen übersetzt und zählt als immaterielles Kulturgut zu einem der wichtigsten musikalischen Exportartikel Oberösterreichs zur Weihnachtszeit. Denn die Melodie wurde vom Innviertler Franz Xaver Gruber komponiert. Der Salzburger Joseph Mohr dichtete den Text dazu. Der österreichische Exportartikel erfreut sich beständiger Beliebtheit: Ob in Afrikaans oder Friaulisch, ob in Griechisch oder Kaschubisch – überall auf der Welt singen Christen zu Weihnachten von der Stillen Nacht.

„Es wird scho glei Dumper“

Wegen der Bezüge nach Oberösterreich widmet auch das Linzer Schlossmuseum dem bekannten Weihnachtslied zum 200. Jubiläum aktuell eine Sonderausstellung bis zum 2. Februar 2019. Gezeigt werden originale Handschriften von Gruber und Mohr, aber auch vom Oberösterreicher Anton Reidinger aus Krenglbach, der vor 135 Jahren „Es wird scho glei dumper“ schrieb. Reidingers Lied ist zwar nicht weltweit bekannt, aber im Alpenraum mit Sicherheit eines der beliebtesten Weihnachtslieder in Mundart. Über die Entstehung von „Es wird scho glei dumper“ ist allerdings nur wenig bekannt.

Frank Sinatra und Elvis Presley singen Stille Nacht

Ganz anders im Falle von Grubers Lied. Das am Heiligen Abend 1818 in Oberndorf bei Salzburg zum ersten Mal aufgeführte Lied „Stille Nacht“ erfreute sich sehr schnell wachsender Beliebtheit. Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Franz Xaver Gruber wurde 1787 im Innviertler Hochburg, Unterweizburg 9 geboren. Sein Geburtshaus ist nicht mehr erhalten. 1806 wurde er Volksschullehrer und 1807 zusätzlich noch Mesner und Organist in Arnsdorf. Zehn Jahre später übernahm er auch den Posten des Organisten in der neu entstandenen Pfarre Oberndorf, wo er zahlreiche Lieder komponierte und sich mit dem dortigen Priester Joseph Mohr anfreundete. Auch der 1792 in Salzburg geborene Mohr hatte Verbindungen nach Oberösterreich, denn er besuchte von 1808 bis 1810 das Stiftsgymnasium in Kremsmünster.

Später studierte er Theologie und wurde 1815 zum Priester geweiht. Ein ganz besonderer Anhänger des Liedes war auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV., der dafür sorgte, dass auch die Preußen zu Weihnachten die „Stille Nacht“ sangen. Flugblätter mit dem Text von „Stille Nacht“, die zuerst in Steyr von Joseph Greis 1837 gedruckt wurden, gingen damals von Hand zu Hand. Die deutschen Auswanderer nach Amerika sorgten dann für eine weltweite Verbreitung. Zu Weihnachten 1839 erklang die „Stille Nacht“ als „Silent Night“ erstmals in New York. Spätestens zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Lied auf der ganzen Welt verbreitet.

Die Erzeugung von Tonträgern ab dem Jahr 1880 beschleunigte die Verbreitung. So war „Stille Nacht“ eines der ersten Weihnachtslieder, das auf Schellackplatten gepresst wurde und über das Grammophon fand das Lied bald den Weg in die Wohnzimmer der Menschen. Die derzeit bekannte älteste Aufnahme von „Stille Nacht“ stammt aus der Zeit zwischen 1890 und 1892. Viele bekannte Opernsänger interpretierten im Laufe der Zeit das Lied. Aber auch populäre Künstler sangen die „Stille Nacht“ – etwa Frank Sinatra, Elvis Presley oder Udo Jürgens. Wenn Sie also in der Heiligen Nacht mit Ihrer Familie heuer die „Stille Nacht“ anstimmen, dann befinden Sie sich nicht nur in guter Gesellschaft, sondern Sie pflegen damit auch ein Weihnachtslied aus Oberösterreich, das viele Menschen weltweit mit dem Fest des Friedens und der Geburt Jesu Christi verbinden.