Kurios: Auf der Straße von Gibraltar zeigen die dort lebenden Orcas seit einer Weile seltsame Verhaltensänderungen. Die schönen Ozeanriesen sollen nun schon wiederholt Segelyachten gerammt haben. Einer mittlerweile geänderten Schlagzeile zufolge hat es auch Migrantenboote erwischt. 

Die Attacken geschehen seit etwa zwei Monaten entlang der spanischen und portugiesischen Küsten. Mehrere Boote wurden bereits schwer beschädigt, mindestens ein Crew-Mitglied wurde verletzt.

Die Augenzeugin Victoria Morris berichtete, wie eine Gruppe von 9 Orcas ihr Segelboot am 29. Juli vor Spanien umringte: Zunächst zeigten die Tiere noch Spielverhalten – bis sie das Boot plötzlich einkreisten und Ruder und Kiel attackierten. Der Angriff soll perfekt koordiniert gewirkt haben. Die Tiere kommunizierten währenddessen offenbar durch lautes Pfeifen.

Die Berichte derartiger Angriffe häuften sich in den folgenden Wochen. Dr Ruth Esteban, die die Orcas von Gibraltar eingehend studiert hat, hält es für wahrscheinlich, dass nur eine einzelne Gruppe von Tieren für die Ramm-Attacken verantwortlich ist.

Möglicher Auslöser: Stress durch vermehrten Schiffs- und Bootsverkehr

Meeresbiologen halten Stress für den Auslöser dieses ungewöhnlichen Verhaltens: Mit der allmählichen Lockerung der COVID-19-Maßnahmen herrscht auf der Straße von Gibraltar wieder deutlich mehr Schiffsverkehr. Das sorgt für Lärm und Verschmutzung… Und das, nachdem die Orcas sich wahrscheinlich gerade an die ruhigeren Gegebenheiten gewöhnt hatten.

Die Art ist in diesem Areal ohnehin bedroht: Weniger als 50 Exemplare sind dort übrig; Kälber sterben häufig frühzeitig, der Fortbestand der Population ist ungewiss. Im Kampf um Nahrung kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Fischerbooten – Wale verfangen sich in deren Netzen oder Fischer greifen die Orcas ihrerseits an. Das Nahrungsangebot für die Tiere schrumpft dahin.

Migranten Teil des Problems?

Interessanterweise titelte CBC laut Screenshots, die in den sozialen Netzwerken kursieren, zunächst, dass die Orcas ausgerechnet Migrantenboote rammen:

Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Schlagzeile unglückliche Schlussfolgerungen zuließ oder unerwünschte Kommentare anzog – und entsprechend zügig geändert wurde. 

Fakt ist, dass trotz Corona auch in Spanien nach wie vor zahlreiche Migranten aus Afrika anlegen: Im Vergleich zum Vorjahr sind es lediglich 30% weniger. Je mehr Restriktionen aufgehoben werden, desto wahrscheinlicher wird ein zügiger Anstieg der Migrantenzahlen… Was für gereizte Orcas wiederum noch mehr Trubel auf dem Wasser bedeutet.

Bleibt zu hoffen, dass die Tiere nicht bald von schäumenden Linken verfolgt werden, die ihnen Rassismus und rechte Gewalt unterstellen.