wahl südtirol 2018

Am Sonntag wurde in Südtirol der Landtag gewählt: Teils deutliche Verluste mussten die regierende, bürgerliche SVP (41,9 Prozent) sowie die rechts-konservativen Südtiroler Freiheitlichen (6,2 Prozent) und die politisch ähnlich orientierte Süd-Tiroler Freiheit (sechs Prozent) hinnehmen. Einen klaren Absturz gab es auch für die italienischen Sozialdemokraten (PD). Diese kamen auf lediglich 3,8 Prozent der Stimmen!

Deutliche Zuwächse verzeichnete dagegen die einwanderungskritische Lega (11,1 Prozent). Bei der vorherigen Landtagswahl 2013 hatte sie lediglich 2,5 Prozent erzielt. Zu den großen Überraschungen des Wahlabends zählte jedoch vor allem die gleichnamige Liste des Unternehmers Paul Köllensperger (15,2 Prozent). Diese stellt nach der SVP nun die zweitstärkste Partei im Landtag!

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„Fünf-Sterne-Bewegung“ bei 2,4 Prozent

Köllensperger hatte sich rund drei Monate vor der Wahl von seiner ehemaligen Partei, der „Fünf-Sterne-Bewegung“, verabschiedet und eine eigene Liste aufgestellt. Er will ein „Angebot der Mitte“ präsentieren und sieht sich selbst als „Sachpolitiker“. Die in Italien gemeinsam mit der Lega regierende „Fünf-Sterne-Bewegung“ selbst kam auf 2,4 Prozent, die an Italiener gerichtete Gruppierung „L‘Alto Adige nel cuore Fratelli D‘Italia uniti“ auf 1,7 Prozent. Die Grünen erreichten 6,8 Prozent – und damit zwei Prozent weniger als 2013. Alle drei Parteien werden auch zukünftig somit im Südtiroler Landtag vertreten sein.

Arno Kompatscher, Südtiroler Landeshauptmann von der SVP, wollte sich bisher nicht auf eine Koalition festlegen. Von Seiten der SVP-Spitze war laut Medienberichten jedoch bereits zu vernehmen, dass man zuerst mit der Partei sprechen wolle, die die italienischsprachige Bevölkerung am stärksten vertreten würde. Dies könnte mutmaßlich die „Liste Köllensperger“ sein. „Es gibt nicht viele Möglichkeiten“, betonte SVP-Chef Philipp Achammer.

Salvini: „Unglaubliche Zahlen“

Hinsichtlich der von österreichischer Seite angeregten Doppelstaatsbürgerschaften für deutschsprachige Südtiroler dürfte es jetzt – angesichts neuer Polit-Konstellationen und der politischen „Flexibilität“ der SVP – jedoch schwieriger aussehen. Nach wie vor unterstützt jedoch ein bedeutender Teil der Südtiroler die Idee einer österreichisch-italienischen Doppelstaatsbürgerschaft („Wochenblick“ berichtete).

Große Freude herrscht vor allem bei der Lega. „Unglaubliche Zahlen aus Südtirol. (…) Die Bürger fordern von der Lega, mit Kraft weiterzumachen. Für mich ist es eine Ehre, mit Mut und Entschlossenheit weiterhin den Weg des Wandels zu gehen“, betont Italiens Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini auf Twitter und Facebook.

Freiheitliche zeigen sich kämpferisch

Kämpferisch gibt sich Ulli Mair, freiheitliche Fraktionssprecherin im Südtiroler Landtag. „Es gilt jetzt mehr denn je eine gute, harte Oppositionsarbeit für Land und Leute zu leisten. Verluste gehören zum Leben dazu und nur wer Niederlagen kennt, kann sich auch an Erfolgen freuen. Es ist nicht schlimm, wenn man im Leben hinfällt. Wichtig ist, immer wieder aufzustehen“, erklärt Mair auf Facebook. Bereits im Dezember hatte der „Wochenblick“ ein ausführliches Interview mit der Politikerin aus Südtirol geführt.