In der dicht besiedelten südkoreanischen Provinz Gyeonggi sind jetzt Corona-Tests für Gastarbeiter verpflichtend. Denn vor allem bei Arbeitsmigranten, von denen viele auch illegal im Land leben, tauchten große Corona-Cluster auf.

von Kornelia Kirchweger

Auf Facebook wurden deshalb Rassismus-Vorwürfe laut. Mittlerweile kam es nach der Impfung mit AstraZeneca auch zu einigen Todesfällen. Laut Gesundheitsbehörde gibt es keinen kausalen Zusammenhang.

Testpflicht auch für Beamte

Ein Sprecher der Provinz widersprach den Diskriminierungsvorwürfen: auch zehntausende Beamte wurden im Jänner verpflichtend getestet. Eine Sprecherin der Europäischen Wirtschafskammer in Südkorea sagte gegenüber Medien, sie kenne kein Unternehmen, bei dem die Testpflicht ein umstrittenes Thema sei.

Seit vergangenen Montag müssen alle aus dem Ausland kommende Beschäftigten vor dem 22. März getestet werden, andernfalls gibt es eine Geldstrafe von knapp 2.600 US-Dollar. Das betrifft vor allem die Stadt Ansan, mit rund 20.000 Migranten-Arbeitern, inklusive jener, die illegal dort sind. Seit Wochen gibt es dort Infektions-Cluster.

Im letzten Monat gab es an die 300 Fälle bei Arbeitsmigranten im Umfeld der Hauptstadt. Laut Behörden machten Ausländer in diesem Jahr 14,1 Prozent der über 10.000 bestätigten Corona-Fälle in der Provinz aus.

Viele Illegale

In der Provinz Gyeonggi leben über 13 Mio Menschen. Dort arbeiten rund 85.000 legal im Land lebende Zuwanderer. Zusätzlich sind dort aber auch bis zu 200.000 Personen beschäftigt, deren Visa abgelaufen sind. Arbeitsmigranten leben zumeist in kleinen, schlecht belüfteten Unterkünften.

Seit dem Vorjahr wurden in der Provinz 100 Verordnungen für Testungen an Hochrisiko-Arbeitsplätzen erlassen, wo Menschen in engen Verhältnissen leben. Sie arbeiten vorwiegend in kleinen Fabriken, am Bau und in der Landwirtschaft und kommen vor allem aus China, Russland, der Mongolei und aus den Philippinen.

Attacken auf Facebook

Auf der offiziellen Facebook-Seite der Provinz wurde die Anordnung als „rassistisch“ kritisiert, man mache die Ausländer zum Sündenbock. Zur Eindämmung des Virus genüge eine Kontakt-Verfolgung und eine gezielte Testung jener Fabrikarbeiter, wo es Virus-Ausbrüche gab. Nach einem als „Super-Spreader-Event“ eingestuften Kirchentreffen habe es ja auch keine Testpflicht für alle Kirchenbesucher, sondern nur für betroffene Kirchenmitglieder gegeben.

Impfkampagne und neue Fälle

Am Freitag wurden 488 neue Corona-Fälle gemeldet, ein Spitzenwert in den letzten drei Wochen. Jetzt gilt für zwei Wochen Abstand halten und ein Verbot für Zusammenkünfte von mehr als vier Personen. Ebenso begrenzte Teilnehmerzahl in Schulen, Kirchen und beim Sport.

In Summe wurden in Südkorea 94.686 Corona-Fälle gemeldet. Es gab 1.662 mit oder an Corona Verstorbene. Südkorea impft seit Ende Februar Bewohner, Mitarbeiter in Pflegeheimen und andere Risiko-Personen. Fast 320.000 Personen wurden bisher geimpft.