In Schweden leben heute rund 120.000 „Syrische Christen“. Sie flüchteten vor dem Genozid im mittleren Osten. In Schweden werden sie jetzt regelmäßig von „arabisch sprechenden Personen“ bedroht, es kommt zu Anschlägen auf ihre Kirchen. Jetzt warnen sie vor einem Bürgerkrieg in Schweden, sollten Behörden und Polizei das nicht bald abstellen.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Werbung

Bedrohung kommt nicht von Rechtsextremen

In Kirchen der syrischen Christen in Schweden kam es bereits zu Bombenexplosionen und Brandanschlägen – wie etwa in der Afrem-Kirche in Södertälje und der Saint Mary-Kirche in Norrköping. Es komme auch zu regelmäßigen Telefondrohungen, berichtete der Sprecher des Verbandes der Syrischen Christen in Schweden. Das seien nicht Rechtsextreme, sondern Personen, die gebrochen Schwedisch oder Arabisch sprechen. „Wenn irgendetwas im Mittleren Osten passiert oder wir in den Medien sind, erhalten wir diese Anrufe…Sie nennen uns Verräter und drohen, uns hier dasselbe anzutun, wie im Mittleren Osten. Wir sind vor dem Genozid nach Schweden geflüchtet, aber sie haben uns wieder eingeholt“, sagte der Sprecher.

Polizei tut nichts

Diese Vorfälle veröffentlichte der Verband nun in einem Facebook-Posting. Die Polizei unternehme nichts, und versuche nicht einmal herauszufinden, wer hinter den Drohungen stecke. Sie sei der Ansicht, Anrufe in rüder Sprache seien nicht illegal. Das Posting führte zu heftigen Diskussionen: die einen redeten vom Auswandern, die anderen forderten sogar eine eigene Polizei. Auf Medienanfrage bei der für Hasspostings zuständigen Stelle hieß es zudem: Telefondrohungen fallen nicht unter „Bedrohung einer ethnischen Gruppe“. Eine Drohbotschaft müsse von mindestens 6-7 Personen gesehen oder gehört werden.

Behörden schweigen – aus Angst vor „Islamophobie-Vorwurf“

Politiker und Behörden ignorieren diese Probleme, sagte der Sprecher. Weil sonst die „Islamophobie-Karte“ ausgespielt werden könnte, vermutet er. Man müsse sich selbst schützen – mit Überwachungskameras und eigenen Schutzleuten. Die syrischen Christen in Schweden sehen jedenfalls mit Sorge in die Zukunft „Wir rechnen mit einem verdammten Bürgerkrieg in Schweden, wenn das nicht unterbunden wird“, sagte der Verbandssprecher.

„Syrische Christen“, auch Aramäer, Assyrer oder Chaldo-Assyrer genannt, sind Menschen christlichen Glaubens aus Syrien, Irak, Iran und der Türkei. Sie sprechen eine Variante des Aramäischen, der Sprache der Bibel. Syrien war bis zum 7. Jahrhundert christlich, bis es islamisiert wurde. Seit dem Bürgerkrieg in Syrien, 2011, haben geschätzte 500.000 syrische Christen das Land verlassen müssen. Nur ca. 10% der Syrer sind Christen.