Knapp nach Mittag knallten Schüsse durch das Polizeihauptquartier in Paris. Zu diesem Zeitpunkt lagen eine Beamtin und drei Beamte bereits tot in ihrem Blut, ein weiterer kämpfte mit dem Tod. Ein 45-jähriger IT-Mitarbeiter hatte die Beschäftigten mit einem eingeschmuggelten Keramikmesser kaltblütig ermordet, bevor man ihn durch tödliche Schüsse stoppen konnte. Brisant: Am Nachmittag wurde die Frau des Täters verhaftet. Er selbst war vor 18 Monaten zum Islam konvertiert.

Man muss französische Newsticker lesen, um die neuesten Entwicklungen des schrecklichen Amoklaufs von Paris zu erfahren. In einheimischen Medien war lange Zeit von „Konflikt innerhalb der Behörde“ die Rede. Doch die erschütternde Realität dürfte wie so oft gänzlich anders aussehen.

In Frankreich gelten aktuell folgende Informationen als gesichert: Kurz nach zwölf Uhr Mittag attackierte ein taubstummer IT-Mitarbeiter mit einem offenbar eingeschmuggelten Küchenmesser aus Keramik mehrere Beamte. Die Attacke begann laut „le dauphine“ in zwei Büros der Direktion für Polizeiliche Geheimdienste und der Präfektur (DRPP). Dort attackierte er drei Polizisten. Im Stockwerk darüber griff er danach zwei Frauen an. Insgesamt verwundete er eine Frau und drei Männer tödlich, ein weiterer Beamter wurde lebensgefährlich verletzt. Ein Beamter der Direktion für öffentliche Ordnung und Verkehr  stellte den Messerstecher in einem Innenhof und forderte ihn auf, die Waffe  abzulegen. Nachdem dieser der Aufforderung nicht nachkam, setzte der Polizist seine Dienstwaffe ein. Tödlich getroffen verstarb der Angreifer noch vor Ort.

Mann aus der Karibik war zum Islam konvertiert

Der Attentäter namens Mickaël H. soll auf der Karibikinsel Martinique geboren worden sein. Erst vor 18 Monaten wäre er zum Islam konvertiert. Zuvor soll er lange Jahre unauffällig als ziviler Mitarbeiter der Polizeiverwaltung gearbeitet haben. Es habe nie irgendeinen relevanten Vorfall mit dem Mann gegeben. Auch ein Nachbar beschreibt ihn als „normal“ und „besonders ruhig“. Es soll nach außen hin keine Anzeichen einer Radikalisierung gegeben haben.

Gegen 16:00 stürmten Polizeieinheiten die Wohnung des Täters. Dabei wurde seine Frau Ilhan verhaftet. Mit ihr war er seit 2014 verheiratet. So wie Mickaël H. soll auch Ilhan taubstumm sein. Aktuell wird sie von Ermittlern vernommen.

Terroranschlag nicht ausgeschlossesn

Die Behörden schließen einen Terroranschlag noch nicht aus, offiziell wird wegen mehrfachen Mordes ermittelt. Der schwerverletzte Polizist soll sich inzwischen außer Lebensgefahr befinden. Die französische Politik gab sich in ersten Reaktionen entsetzt. Präsident Emmanuel Macron drückte sein Beileid aus und sagte jede notwendige Hilfe zu.

In Paris liegen die Nerven bei der Polizei zur Zeit ohnehin blank. Erst am Mittwoch demonstrierten nach Angaben der Organisatoren 27.000 Polizisten auf den Straßen von Paris, da schon 50 ihrer Kollegen im laufenden Jahr Selbstmord begangen hatten. Die Ausrüstung und die Arbeitsbedingungen sollen sehr schlecht sein. Zudem scheint es viele Polizisten psychisch zu belasten, dass sie jede Woche dazu abkommandiert werden, die demonstrierenden Gelbwesten brutal zusammenzuschlagen.

Pietätlose Berichterstattung im Öffentlich-Rechtlichen

In der Geschmacklosigkeit einheimischer Berichterstattung legt der ORF diesmal besonders viel vor. So war es den Online-Redakteuren im Artikel über den Mord offenbar sehr wichtig zu erwähnen, dass im Vorjahr zwei Pariser Polizisten wegen Vergewaltigung einer Touristin zu Haftstrafen verurteilt wurden. Weiters habe ein Drogenfahnder Kokain gestohlen. Diese Pietätlosigkeit zu unterbieten dürfte sich als sehr schwierig gestalten.