Alles wird wegen der Coronakrise derzeit verschoben – außer die Zeitumstellung. Und im Hintergrund fahren die üblichen Verdächtigen weiter wahlweise ihre moralinsaure Agenda oder durchschaubare Message-Control. Tag 13 in General-Quarantäne erhärtete viel Aktuelles und offenbarte wenig Neues… 

Tagebucheintrag von Alfons Kluibenschädl

Hier sitze ich und kann nicht anders. Mir ist bewusst, dass die Uhrzeitfrage vielen Menschen angesichts einer grassierenden Pandemie wie ein echtes Erste-Welt-Problem vorkommt. In Wirklichkeit potenziert sie aber nicht nur die derzeitige Zweiteilung im Land, sondern schwächt auch noch das Immunsystem. Aber obwohl die Politik seit Jahren darüber streitet, die Zeitumstellung endlich abzuschaffen, sitze ich einen müden Sonntagmittag aus, bei dem ich mir sicher bin, wir hätten noch die goldene Morgenstund‘.

Uhrumstellung in der Coronakrise ohne Sinn

Ich werde keinen Hehl daraus machen: Ich bin ein ausgewiesener Freund der Normalzeit. Diese richtet sich nach dem Sonnenstand und eine dauerhafte Sommerzeit wurde bereits in Russland nach wenigen Jahren wieder zurück genommen. Denn tatsächlich hatten die Menschen das Gefühl, ständig müde zu sein. Der Russe, der einem Stereotyp zufolge immer dann arbeitet, wenn er nicht gerade trinkt, glich sich dem für seine Zeitzone viel zu westlichen Spanier an, der ebenso sprichwörtlich alles auf morgen schiebt.

Viele Menschen dürfen jetzt die berühmte „eine Stunde länger“ im Hellen in den eigenen vier Wänden sitzen, nicht am Sonnendeck eines Cafés chillen und nicht mit Freunden eine Bergtour machen. Und vielleicht kann jemand den Übergangs-Jetlag im Home-Office ausgleichen. Aber die vielen Menschen in systemrelevanten Branchen müssen jetzt ein erwiesen geschwächtes Immunsystem eine Stunde früher in die Mitte hamsternder, asymptomatischer Super-Spreader bewegen und dürfen dort für wenig Geld Produktivität gegen die Müdigkeit schieben.

Der Schmäh mit der Soforthilfe…

Wer derzeit keine Produktivität braucht, sind Branchen, die gerade aussetzen müssen. Besitzern von KMUs oder EPUs bleibt dafür schon seit Freitag ein neuer Heimsport, den sie diesmal auch solidarisch mit ihren Freunden und Wegbegleitern gemeinsam erleben können. Sie dürfen jetzt nämlich eine Stunde länger bei Tageslicht auf der WKO-Homepage auf ein Ende der Server-Überlastungen warten. Plattform-Eröffnung am Freitag um 17 Uhr – ein Schildbürgerstreich, der selbst für den Hofrats-Staat Österreich Neuland ist.

Wenn sie dann feststellen, dass sie um die dürftigen Regierungs-Almosen umfallen, weil sie die Wohnung der zuletzt verstorbenen Oma als Einliegerwohnung vermieten, können sie wenigstens statt des Nachthimmels noch die Sonne anschreien. Bis Kinderkrankheiten bei den Soforthilfen die Öffentlichkeit erreichen, hat Sonnenkanzler Sebastian I. längst vermittelt, er habe alles im Griff und wolle niemanden zurücklassen.

…und mit der humanitären Unterbringung

Wo man diese Rhetorik, man habe alles im Griff und wolle niemanden zurücklassen, noch so vorkommt, ist ein Themenkomplex, der trotz Zurückdrängung ein Dauerbrenner bleibt: Nämlich die Migrationsfrage. Denn während fast eine Million Österreicher im Westen des Landes nicht einmal mehr ihre eigene Gemeinde verlassen dürfen, mehreren sich Rufe, man möge doch endlich die tickende Zeitbombe griechischer Migrantenlager entschärfen. Und in der benachbarten Bundesrepublik scheint man sich allmählich zu erweichen.

Freilich, die Zustände sind unhygienisch und ein Corona-Ausbruch in Moría würde wahrscheinlich Tausende, die in Wirklichkeit oft weit älter sind als die siebzehn Jahre auf ihren Ersatzpapieren, anstecken. Unter dem Deckmantel der Humanität will die Asyl-Lobby sie jetzt über die Corona-Hintertür ins Seuchengebiet Mitteleuropa verfrachten. Ob das jetzt die größere Strafe für heimische Stubenhocker oder für quasi in eine Pestkolonie Verschleppte ist, bleibt unklar. Unverantwortlich ist’s aus beiderlei Perspektive.

„Team Österreich“ wird dichte Grenzen regeln

Fast ein wenig mitleidig muss man mit Karl Nehammer sein. Der lässt nämlich gerade wegen der Coronakrise die Asylanten im Land umverteilen. Und gleichzeitig muss er sich mit den „Falschnachrichten“ herumschlagen, es gäbe trotz vermeintlich dichter Grenze hunderte neue Asylanträge. Denn, wie er betont, es sind ja nur zwölf pro Tag.

Zwar wären das nach Adam Riese und Eva Zwerg im März auch fast 400 Stück, aber man solle doch bitte auch anerkennen, dass die schwarzen Brüder sie halt nicht „an einem Ort konzentrieren“ und erst recht nicht in Ausreisezentren unterbringen wollen. Sondern lieber Bürgermeister anderer Parteien mit Asylheimen beglücken wollen, in denen derzeit einfach keiner arbeiten will. Das „Team Österreich“ wird schon regeln…

Hotel als Quarantäne-Quarter für Asylanten?

Wieder beim nördlichen Nachbarn ist man schon ein paar Schritte weiter. Dort gibt es beinhart die Forderung, Asylanten in Hotels unterzubringen, damit sie sich nicht infizieren. Während sich deutsche Arbeiter nach 12-Stunden-Schichten in überteuerten Mietskasernen an potenziellen Keimschleudern im Stiegenhaus vorbei schmuggeln, soll es für die ‚geschenkten Menschen‘ die Sektbar und der Zimmerservice richten. Prima.

Zum Glück hat sich diese Überlegung noch nicht bis in den „Hottentotten-Staat“ Tirol herumgesprochen. Dort entscheidet gerade derselbe Seilbahnen-Chef, der übers Viren-Drehkreuz in Ischgl lieber Gras wachsen lassen wollte, mit, welcher Unternehmer einen Anspruch auf Soforthilfe hat. Nicht, dass da jemand auf die Idee kommt, die Hotellerie durch Gelder für Asyl-Unterbringung zu entlasten, dafür reihenweise geschasste Saison-Arbeiter in ungebraucht eingelagerten Traglufthallen einquartiert…?

Aber das ist eine andere Baustelle. Derweilen freuen wir uns, dass weniger Tests auch weniger Neuinfektionen bedeuten. Wenn schon niemand die „eine Stunde länger hell“ ausnützen kann, soll man doch trotzdem mit positiven Nachrichten aufhören können…